Lebendige Geschichte: Melbournes Stadtgeschichte kann man heute noch besichtigen

Historische Straßenbahn in Melbourne
Historische Straßenbahn in Melbourne

Einen kurzen Überblick über Melbournes Geschichte mit Tipps für die besten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt finden Sie in diesem Artikel.

Melbourne ist eine multikulturelle Stadt, mit gutem Restaurants und vielen Restaurants- und ist es eigentlich schon immer gewesen.

Den Aufschwung zur Großstadt mit seinen vielen Prachtbauten, die auch heute noch stehen, verdankte das im Jahr 1835 gegründete Melbourne nämlich dem australischen Goldrausch der 1850er Jahren, der auch international großes Aufsehen erregte.

Die 1850er Jahre – Goldrausch in Australien

In Ballarat, das etwa 110 km von Melbourne entfernt liegt, war im Jahr 1851 Gold gefunden worden.

Dank geschickter Marketingstrategien – darunter gefälschte Landkarten, die behaupteten, dass Melbourne näher an Ballarat läge als Geelong – konnte sich Melbourne als der wichtigster Hafen für Tausende von Goldsucher etablieren.

Das geschürfte Gold wurde in Melbourne im Treasury Building (siehe Foto unten) zwischen gelagert und ins britische Königreich verschifft, während aus England Einwanderer und Werkzeuge kamen.

Treasury Building Melbourne

 

Frühe Einwanderer in Australien

Aber die Menschen kamen nicht nur aus England: Auch aus Irland, Deutschland und China kamen Einwanderer in großer Zahl, die ihr Glück auf den Goldfeldern suchten.

Der Stadtteil Chinatown in Melbourne wurde 1851 gegründet und ist damit die älteste Chinesische Siedlung außerhalb Asiens. Hier ein Foto von Chinatown:

Chinatown in Melbourne

Bedingt durch den Goldrausch bekam Melbourne viele beeindruckende Wohn- und Geschäftshäuser, die man heute beispielsweise auf der Collins Avenue noch anschauen kann.

Auch verschiedene öffentliche Gebäude gehörten dazu, etwa das bereits genannte Treasury Building, das Melbourne Gaol (wird ausgesprochen wie das englische Wort "jail" / Gefängnis), und das Customs House, das heute als Immigration Museum (Einwanderer-Museum) dient.

Und so sieht das Immigration Museum aus:

Immigration Museum

Die 1860er Jahre: Wolle und Großmärkte

Mit dem Goldrausch war es dann um 1860 vorbei. Zu der Zeit hatte Melbourne bereits große Hafenanlagen, die vorwiegend für den Export von Schafswolle dienten, sowie für den Import von Waren aus dem British Empire.

Auch in den 1860er und 1870er Jahren wurde weiterhin prachtvoll gebaut, darunter das Government House und die Queen Victoria Markets, die auch heute noch zu besichtigen sind.

Australiens berühmtestes Pferderennen

Zudem wurde in Melbourne im Jahr 1861 erstmals das berühmteste Pferderennen Australiens durchgeführt: Der Melbourne Cup.

Das Rennen ist auch heute so beliebt, dass am 1. Dienstag im November fast überall (!) in Australien gefeiert und nicht gearbeitet wird. Der Melbourne Cup heißt daher passend auch "The race that stops a nation".

Freundliche Boulevards…

Die großen Boulevards wie die Collins Avenue und die Bourke Street waren um diese Zeit von luxuirösen Wohnhäusern, stilvollen Kaffeehäusern, beeindruckenden Banken und teuren Geschäften gesäumt.

Damals fuhren die reichen Bürger und Bürgerinnen der Stadt in maßgeschneiderten Kleidern mit ihren schicken Kutschen aus, um gesehen zu werden. Heute ist es nicht viel anders, nur dass die Kutschen durch Mercedes und andere Luxuskarossen ersetzt wurden 🙂

Wie stilvoll man damals einkaufen konnte, sieht man heute noch in der Royal Arcade (335 Bourke Street Mall), die 1870 eröffnet wurde. Die Fassaden der Geschäfte sehen heute noch so aus wie im Jahr 1894, wie das Bild zeigt:

Royal Arcade Melbourne

… und düstere Gassen in Melbourne

Aber so schön war es nicht überall in Melbourne. In den düsteren Hinterhöfen und schmalen Gassen – "den Laneways" – zwischen den großen Boulevards lebte der ärmste Teil der Stadt-Bevölkerung ein im wahrsten Sinne des Wortes weniger sonniges Leben.

Die schmalen Laneways gibt es heute auch noch – manche sind kaum breiter als 2 Meter. Einige Laneways sind bekannt für ihre Restaurants und Cafes, andere für ihre Street Art (Graffiti Kunst), wie etwa die Hosier Lane / Rutledge Lane direkt gegenüber des Federation Square (siehe Foto).

Rutledge Lane Melbourne

 

Aboriginals im Melbourne im 19. Jahrhundert

Man geht davon aus, dass bis 1863 achtzig Prozent der Ureinwohner dieser Region verstorben waren, vorwiegend durch Krankheiten (vor allem die Pocken), die die Europäer mitgebracht hatten, aber auch durch Mord und Vertreibung.

Heute sieht man in Victoria kaum noch Aboriginals – mit Ausnahme vielleicht in den großen Sportstadien, da Sport, und zwar vor allem Rugby und "Footie" in der AFL Liga den Aboriginals sehr am Herzen liegt. Mehr zu ihrer Geschichte erfährt man im Koorie Heritage Trust, einem der Museen auf dem Federation Square.

Die 1880er Jahre mit Weltausstellung in Melbourne

Als Unesco Welterbe geschützt ist heute das Royal Exhibition Building im italienischen Viertel Carlton, das als Ausstellungshalle für die Weltausstellung 1880 gebaut wurde und auch heute noch als Messezentrum mit schöner Parkanlage dient.

Und so sieht das Royal Exhibition Building aus:

Royal Exhibition Building Melbourne

1880 kam auch das erste elektrische Licht nach Melbourne, und 1885 die elektrische Straßenbahn. Die Tourist Tram (Linie 35), die heute noch ihre (kostenlosen) Runden durch Melbourne zieht, sieht noch so aus wie früher, wie das Foto unten zeigt:

Melbourne Tram

Auch das 1884 erbaute Luxus-Hotel "Hotel Windsor" (damals noch Grand Hotel) ist heute noch im Dienst, Das Windsor ist ein Tipp für Reisende, die einmal ganz klassisch wie bei "Downton Abbey" ihren Afternoon Tea genießen wollen.

Hotel Windsor Melbourne

Die 1890er Jahre

In den 1890er Jahren wurde Melbourne von einer schweren Wirtschaftskrise betroffen. Offenbar war in Melbourne offenbar trotzdem noch genügend Geld vorhanden, um die sehenswerte Block Arcade (282 Collins St.) zu bauen, die auch heute noch im Dienst ist.

Hier dazu ein Bild von der Block Arcade:

Block Arcade Melbourne

 

Melbourne – Australiens Hauptstadt

Als sich abzeichnete, das Australien von Großbritannien unabhängig werden würde, lagen Melbourne und Sydney lange im Streit darüber, welche Stadt besser als Hauptstadt geeignet wäre.

Als Australien am 1. Januar 1901 unabhängig wurde, war Melbourne vorerst der Regierungssitz Australiens. Das Parlament tagte zuerst im Royal Exhibition Building, und später im Victorian Parliament House (siehe Foto).

Parliament House Melbourne

Dies blieb auch so bis 1927, als die australische Regierung nach Canberra zog, eine künstliche Stadt auf der "grünen Wiese" in der Nähe von Sydney.

Für viele ist Melbourner auch heute immer noch die geheime Hauptstadt Australiens – genauso wie viele Bürger von Sydney ihre eigene Stadt für die Australiens eigentliche Hauptstadt halten.

Tennis am Ende der Welt

In Sachen Tennis wurden 1905 in Melbourne übrigens erstmalig die Australasian Championships (heute: Australian Open) zelebriert.

Da man vor Beginn des Flugverkehrs allerdings noch 45 Tage mit dem Schiff von Europa nach Melbourne benötigte, was dieses Tennistournier in den ersten Jahren eher ein lokales Event. Heute sind die Australien Open mit Wimbledon, den French Open und den US Open das wichtigste Tennistournier der Welt, das jede Jahr Mitte bis Ende Januar statt findet.

Die 1930er Jahre

Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren war es auch in Melbourne sehr still, mit wenigen Ausnahmen wie etwa dem Baus des "Shrine of Remeberance" auf dem Gelände des botanischen Gartens an der St Kilda Road.

Der "Shrine" ist zum großen Teil aus Spenden finanziert, und sollte an die Opfer des 1. Weltkriegs erinnern. Heute ist der an einen griechischen Tempel erinnernde Bau ein Mahnmal für die gefallenen Soldaten aller Kriege.

Shrine of Remeberance Melbourne

Melbourne nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg war Melbourne vor allem ein Magnet für Einwanderer aus Italien und Griechenland. Daher ist heute Melbourne die größte "italienische" Stadt außerhalb Australiens, und die drittgrößte "griechische" Stadt nach Athen und Thessaloniki, wie man bei einer Fahrt mit der kostenlosen Tourist Tram (Touristen-Straßenbahn, Linie 35) erfährt.

1956 fanden dann die olympischen Sommerspiele in Melbourne statt – die ersten olympischen Spiele außerhalb von Europa und der USA.

Nachdem 1958 die Höhenrestriktionen für Gebäude abgeschafft wurden, begannen auch die ersten Hochhäuser in der Stadt aufzutauchen, die heute das Stadtbild bestimmen, wie auf dem Foto zu sehen:

Melbourne Australien

Ein zweiter "Goldrausch", der bis heute angehalten hat – der sogenannte "Mining Boom", sorgte dafür, dass große Rohstoff Firmen wie BHP Biliton und Rio Tinto ihre Geschäftszentralen in der Hochhaustürmen der Stadt errichteten.

Melbourne in den 1960er Jahren

1961 ging es dann so richtig los mit der Restaurant-Kultur in Melbourne: In Carlton, dem italischenischen Viertel von Melbourne, eröffnete das erste "ausländische" Restaurant Melbournes : "Totos Pizza House".

Möglicherweise ist Totos auch die 1. Pizzeria Australiens, allerdings gibt es andere Quellen, die besagen, dass dieser Titel "Lucia’s Pizza Bar" aus Adelaide zusteht (1959 eröffnet).

Unabhängig davon gab es in Melbourne ab 1961 endlich Alternativen zu Fish & Chips und Bangers & Mash (Würstchen mit Kartoffelpüree). Gleich neben dem Toto machten dann bald auch weitere italienische Restaurants auf, die teils heute noch bestehen.

Das Toto’s gibt es übrigens auch noch heute, wie das Foto zeigt:

Restaurant in Melbourne

Die 1990er Jahre – Formel 1 in Australien

Seit 1996 wird der "Große Preis von Australien" (Australian Grand Prix) in der Formel 1 im Albert Park in Melbourne gefahren. Michael Schuhmacher hat das Rennen gleich viermal gewonnen, aber in den meisten Fällen hat bisher ein australischer Fahrer gewonnen. Das Rennen findet typischerweise jedes Jahr im März statt.

Melbourne heute

Im Jahr 2002 wurde der Federation Square gegenüber vom Flinders Street Bahnhof erbaut, einer der schönsten Plätze Melbournes, wenn nicht sogar Australiens. Der Platz hatte auch seinen Preis – $ 467 Millionen Dollar, also mehr als 300 Millionen Euro.

Dafür gibt es heute einige schöne Museum rund um den Platz zu sehen, darunter das Kinomuseum ACMI (Australian Centre For Moving Image), das Aboriginal Museum Koorie Heritage Trust und die Nationalgalerie NGV (National Gallery of Victoria) mit Australischer & Aboriginal Kunst.

Das NGV ist hier auf dem Foto zu sehen:

Museum in Melbourne

 

Mehr über Melbourne erfahren…

In verschiedenen Studien, z.B. von der Zeitschrift "Economist" wird Melbourne heute als eine der lebenswertesten Städte der Welt eingestuft. Es lohnt sich also, mehr als nur einen Tag zu bleiben!

 


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