Reisebericht Neuseeland Südinsel im Februar 2018 (Teil 2)

Die Straße zum Milford Sound, Neuseeland
Die Straße zum Milford Sound, Neuseeland

Nachdem wir Queenstown und Umgebung besucht haben, zieht es uns ins Fjordland, mit einer Glühwürmchenhöhle und beeindruckenden Bergpanoramen am Milford Sound.

 

7. Februar

Te Anau – Milford Sound

Über Nacht hat sich der Wind gelegt. Lake Te Anau liegt spiegelglatt im Morgensonnenschein vor uns. Wir sind schon früh unterwegs, und haben Zeit, die wunderschöne Seelandschaft von Te Anau in uns aufzusaugen.

Außer uns sind um diese Zeit nur wenige Fußgänger an der Seepromenade unterwegs. Überhaupt ist das kleine Te Anau (1900 Einwohner) ganz anders als Queenstown. Statt Touristentrubel geht es sehr ruhig zu, wie das Foto unten zeigt:

Milford Sound Neuseeland

 

Ich bin schon ganz aufgeregt: Heute sehen wir die Glühwürmchen!

Das Boot, das uns zur Glühwürmchen-Höhle am Lake Te Anau bringen soll, ist klein und gemütlich, wie das Foto beweist:

Milford Sound Neuseeland

Wie man sieht, hat auch "der Hafen" von Te Anau eher beschauliche Dimensionen – zwei Ausflugsboote, das Transfer-Boot zum Kepler Track (oben im Bild der weiß-rote Flecken auf der rechten Seite) und ein Wasserflugzeug.

100 Dollar nur für Glühwürmchen?

Als unser Boot, das passend "Luminosa" genannt ist, schließlich um 9 Uhr ablegt, ist es gerade einmal halbvoll. Offenbar sind außer uns eher weniger Frühaufsteher unterwegs,

Wir hatten erst überlegt, ob es sich lohnt, die 100 NZ-Dollar pro Nase auszugeben, da man anderswo (z.B. in Hokitika) auch ohne Eintritt Glühwürmchen sehen kann. Aber wie ihr sehen werdet, haben wir die Ausgabe nicht bereut!

Mit der Luminosa fahren wir mit dem beeindruckenden Tempo von 24 Knoten (über 40 km/h) eine halbe Stunde über den See, bis wir den Weg zur Glühwürmchen-Höhle auf dem anderen Ufer des Lake Te Anau erreichen. Hier gibt es keine Straßen – nur Berge, Wälder und viel Wasser.

Legenden werden Wirklichkeit am Lake Te Anau

Bis ins Jahr 1948 glaubte man, die "Höhle des wirbelnden Wasser" existierte nur in den Legenden der Maori. Dann wurde die Höhle von dem Abenteuer Lawson Burrows entdeckt, und von ihm und seinem Partner fast sofort als Touristen-Attraktion eröffnet.

Als wir das Boot verlassen, werden wir in mehrere 12er Gruppen aufgeteilt, die die Höhle nacheinander besichtigen.

Unsere Reiseleiterin stammt aus den USA. Im Foto unten erklärt sie uns am Höhlenprofil, wo es hingehen wird:

Milford Sound Neuseeland

 

In der Höhle ist es dunkel, und fotografieren ist nicht erlaubt. Daher hier noch schnell ein Foto vom Eingang, bevor wir mit eingezogenem Kopf in die unterirdischen Wasserwelten abtauchen:

Milford Sound Neuseeland

 

Glühwürmchen überall!

In der schwach beleuchteten Höhle ist es 10 Grad kalt, das Wasser hat immerhin 12 Grad. Überall ist Wasser – es tropft es von der Decke, und neben bzw. unter uns zwängt sich der reißende Bach durch den Tunnel.

Man kann kaum die Hand vor Augen sehen, aber dafür leuchten die ersten Glühwürmchen schon direkt hinter dem Eingang!#

Über an die Wand geschraubte Stahltreppen gehen wir hintereinander durch die enge Höhle, überqueren einen donnernden Wasserfall und erreichen schließlich eine weitere stockdunkle Höhle. Hier steigen wir um in ein kleines Boot.

Sternenhimmel in Te Anau am Vormittag

Man hört keinen Motor, und das Boot scheint fast zu schweben. Über uns zieht ein "Sternenhimmel" voller Glühwürmchen hinweg, während wir langsam eine Runde durch die Höhle drehen.

Alle Gäste sind andächtig und still, während der unterirdische Fluss ganz in der Nähe von uns tost.

Das ist ein Moment, den ich sicher so schnell nicht vergessen werde.

Nach einigen Minuten ist die Bootsfahrt vorbei, und wir gehen zurück über den Bach durch die Höhle. Hier und da leuchten noch einige Glühwürmchen an den Wänden.

Dann stehen wir wieder im lichten Buchen-Wald. Unsere Reiseleiterin erzählt uns mehr über die Natur und Tiere dieser Gegend, bevor wir uns im Besucherzentrum eine 15 Minuten Präsentation zum Thema Glühwürmchen anschauen, und uns mit kostenlosem Kaffee und Tee aufwärmen.

Glühende Würmer und mehr in der "Glowworm Cave"

Wir lernen, dass wir tatsächlich "Würmchen" gesehen haben, und keine fliegenden Insekten, wie man es aus Europa kennt.

Im Larvenstadium leben diese Insekten an dunklen, feuchten Überhängen. Ihr leuchtendes Hinterteil soll per Bioluminiszenz andere Insekten anlocken, die an einer Art "Vorhang" (klebrige Schnüre ähnlich wie ein Spinnennetz) hängen bleiben.

Zurück an der Bootsrampe sehen wir, dass unser Boot, die Luminosa, zwischenzeitlich in Te Anau war, und dieses Mal voll besetzt wieder zurück gekehrt ist.

Unsere Gruppe geht ohne weitere Gäste an Bord, wir fahren also wieder halbvoll zurück. Jetzt dürfen wir auch hinaus an Deck. Oben in der Sonne hält man es aufgrund des kalten Fahrwindes nicht lange aus, aber die Aussichten sind einfach zu schön:

Milford Sound Neuseeland

 

Fleischpasteten vom Bäcker – eine Spezialität?

Um die Mittagszeit sind wir wieder in Te Anau, und der Magen knurrt. Seit dem Frühstück ist es ja schon einige Stunden her.

Robert hat eine Bäckerei gefunden, die angeblich besonders gute "Pies" (mit Fleisch gefüllter Blätterteig) verkauft. Sein Expertenurteil zum "Venison and Lamb Pie" (Reh und Lamm) ist knallhart: "da habe ich schon bessere gegessen".

Ein Foto haben wir trotzdem gemacht:

Milford Sound Neuseeland

 

Die liebe Not mit dem Brot in Neuseeland…

Nach dem schnellen Mittagessen statten wir noch schnell dem großen Fresh Choice Supermarkt einen Besuch ab und versorgen uns mit dem Wichtigsten. An unserem nächsten Ziel, dem Milford Sound, gibt es nämlich keine Supermärkte.

Wir finden zu unserer Freude sogar ein dunkles "Rye Bread" (Roggenbrot). Die Freude währt nur so lange, bis wir bemerken, dass das Brot die Konsistenz von Schaumstoff hat. Wir werden später noch herausfinden, dass genau diese Backmischung offenbar von jedem Supermarkt in Neuseeland in den Ofen geschoben wird.

Wir lassen Te Anau vorerst hinter uns und fahren nun den Lake Te Anau entlang in Richtung Milford Sound.

Panorama-Straße zum Milford Sound

Die Panorama Straße zum Milford Sound (Highway 94 ) ist eine Sackgasse. Sie ist 118 Kilometer lang, und führt durch Bergtäler, einen 940 Meter hohen Bergpass (genannt "the Divide") und einen schmalen Tunnel bis hin zum Hafen von Milford Sound.

Insgesamt sollte man mindestens zwei Stunden für die Fahrt einplanen (Google Maps sagt 1:40 h, aber das ist Blödsinn). Unterwegs gibt so viel zu sehen und erkunden, dass man die Zeit auch gerne verdoppeln kann.

Fotostopp in Te Anau Downs

Unseren ersten Fotostopp machen wir bereits an der Bootsrampe von Te Anau Downs, die etwa 30 Kilometer nördlich von Te Anau entfernt liegt. Dies ist der letzte Zugang zum See, bevor sich Highway 94 landeinwärts wendet.

Wir haben Glück und sehen gerade noch, wie die Fähre zur Glade Wharf, dem Startpunkt des Milford Tracks, ablegt:

Milford Sound Neuseeland

Die Fähre bringt Wanderer, die sich für den 53 Kilometer langen Milford Track angemeldet haben, zum Beginn der Route, die typischerweise nach vier Tagen Wandern am Milford Sound endet.

Früher einmal sind die Maori diesen Weg gegangen auf ihren Expeditionen über die Südinsel, heute sind es die Touristen.

Aber auch Tagesausflügler sind mit auf dem Boot, die nur für einige Stunden den Milford Track gehen wollen und später am selben Tag wieder mit dem Boot zurückfahren.

Kein Spiegel an den Mirror Lakes

Wir lassen Lake Te Anau hinter uns, und tauchen ein in die Berglandschaften von Fjordland.

Unser nächster Stopp sind die Mirror Lakes, in denen sich bei Windstille die Berge spiegeln sollen. Wir sehen zwar keine Spiegelung, aber der Aussichtspunkt direkt neben der Straße ist trotzdem sehr schön, wie das Foto beweist:

Milford Sound Neuseeland

 

Der 45. Breitengrad

Ein Schild am Straßenrand weist uns darauf hin, dass wir den 45. Breitengrad überquert haben. Das heißt, wir befinden uns für einen flüchtigen Moment genau in der Mitte zwischen dem Äquator und dem Südpol.

Für die Südhalbkugel heißt das: Wir sind in einer ganzjährig kalten und windigen Gegend – und trotzdem kann die Sonne ganz schön brennen, wenn sie einmal scheint!

Das hat auch seinen Grund: auf dem 45. Breitengrad auf der Nordhalbkugel liegen beispielsweise die Städte Mailand und Bordeaux, für die im Sommer genau wie in Neuseeland für die meisten Menschen gewissermaßen "Sonnencreme-Pflicht" besteht.

Wanderung: Lake Gunn Nature Walk

Wenigstens eine Wanderung wollen wir heute unternehmen, und entscheiden uns für eine Wanderung zum Lake Gunn.

Der Lake Gunn Nature Walk führt durch einen Buchenwald mit einigen beeindruckenden Baumriesen, wie das Robert hier im Foto demonstriert:

Milford Sound Neuseeland

 

Der See selbst ist ebenfalls ein Highlight und lädt ein zu einem Bad:

Milford Sound Neuseeland

Aber auch in der vergleichsweise warmen Nachmittagssonne hält man es in dem eiskalten Wasser höchstens ein paar Minuten aus.

 

Die Pass-Straße zum Milford Sound

Weiter geht es mit vielen Foto-Pausen über die beeindruckende Landstraße zum Milford Sound. Es ist wenig Verkehr, und am liebsten möchten wir alle 50 Meter anhalten, und die Bergwelt auf uns einwirken lassen.

Wir sind froh, dass wir am Milford Sound übernachten werden, und nicht direkt wieder zurück fahren müssen, wie so viele Tagestouristen.

Hier ein Blick vom Aussichtspunkt Pops Lookout, der in der Nähe der Passhöhe (The Divide) liegt, also ungefähr bei 900 Metern:

Milford Sound Neuseeland

 

Danach geht es wieder bergab. Knapp eine halbe Stunde später bietet sich uns dieser Anblick mit Gletscher:

Milford Sound Neuseeland

Homer Tunnel

Den Homer Tunnel erreichen wir erst nach 17 Uhr. Der einzige Tunnel am Milford Highway kann ein echtes Nadelöhr sein, da er zu schmal ist, um zwei Reisebusse nebeneinander fahren zu lassen.

Wir haben Glück, und warten nur 2 Minuten an der Ampel, aber zu Stoßzeiten kann man offenbar auch 20 Minuten oder länger warten.

Diebische Weka-Vögel

Folgendes Bild, das ich am Parkplatz zum Chasm Walk geschossen habe, zeigt einen "Weka"-Vogel (Wekaralle), der sich gerne in der Nähe von Menschen herumtreibt:

Milford Sound Neuseeland

Wekas können nicht fliegen, sind sehr neugierig und lieben Menschen – und auch das, was man von ihnen stehlen kann!

Ankunft am Milford Sound

Als wir den Hafen vom Milford Sound erreichen, ist es bereits nach 18:30 Uhr, und steht die Sonne tief. Der Himmel ist immer noch blau – und das, obwohl diese Gegend als eine der nassesten Neuseelands gilt.

Wir können uns einfach nicht satt sehen, so schön ist es hier:

Milford Sound Neuseeland

 

Die Sandflies (Stechmücken) lieben diese Gegend ebenfalls. Sobald wir stehen bleiben, werden wir ausgesaugt. Und die juckenden Mückenstiche bleiben uns auch Tage später noch erhalten.

Das hatten wir nämlich nicht gewusst: Dass man Mückenmittel braucht in Neuseeland!

Erst als es Dunkel wird, verschwinden die Sandflies, und wir atmen auf.

Ausflugsboote am Milford Sound

Der Bootsanleger am Milford Sound ist jederzeit zugänglich, und wir schauen uns die Boote an. Kaum ein Mensch ist zu sehen, es ist still bis auf das Geräusch des Windes in den Bäumen, und das Platschen des Wassers an den Hafenanlagen.

Wir haben die Aussichten fast für uns allein:

Milford Sound Neuseeland

Morgen früh werden dieselben Boote wieder unzählige Touristen durch die beeindruckende Fjordlandschaft fahren.

Menschenmassen am Milford Sound

Insgesamt werden dieses Jahr (2018) über 600.000 Menschen den Milford Sound besuchen, die meisten davon in den warmen Sommermonaten von Dezember bis März. Allein der Parkplatz vor dem Hafengebäude hat Stellplätze für 28 Busse.

Diese Menschenmassen können gar nicht über Nacht im Nationalpark untergebracht werden. Gäste kommen also typischerweise am späten Vormittag mit Reisebussen aus Te Anau oder sogar aus dem 290 Kilometer entfernten Queenstown, unterhehmen eine Bootstour über den Fjord und verschwinden am frühen Nachmittag wieder.

Alle Boote fahren dabei übrigens dieselbe Route über den Milford Sound, gestaffelt und im Uhrzeigersinn, und kommen sich dabei zum Glück nicht in die Quere.

Milford Lodge – Übernachtung im 11er Zimmer…

Wir gehören zu den wenigen, die am Milford Sound über Nacht bleiben. Wie gesagt, gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten, wenn man nicht gerade ein Wohnmobil hat – und genau das haben wir nicht.

Die Ferienhütten auf dem Gelände der Milford Lodge, die im übrigen pro Nacht mehr als 400 NZ-Dollar kosten, waren trotz des stolzen Preises schon vor Monaten ausgebucht.

Daher bleibt uns nur die Übernachtung in einem 11-Bett-Zimmer. Und jeder von uns darf für das Privileg 40 NZ-Dollar zahlen (kurz angemerkt: anderswo bekommt man für 80 NZ-Dollar ein Doppelzimmer, wenn auch ohne Bad).

Ich bin trotzdem froh, dass wir überhaupt noch Betten bekommen haben. Die Alternative wäre, im Auto zu schlafen.

Was ich bei der Buchung nicht bedacht hatte, ist, dass in unserem Zimmer mehrheitlich Wanderer schlafen, die gerade den Milford Track hinter sich haben. Diese konnten im schlimmsten Fall weder sich selbst, noch ihre Kleidung unterwegs waschen.

An die Nacht im 11er Zimmer erinnere ich mich nicht so gerne. Aber auch die längste Nacht ist einmal vorbei, und am nächsten Tag scheint wieder die Sonne!

 


8. Februar

Milford Sound – Te Anau

Heute steht uns ein weiteres Highlight bevor: Eine Fahrt mit dem Boot über den Milford Sound.

Ich weiß, das macht einfach jeder, der hierher kommt, aber das hat auch seinen Grund!

Dieses Mal sind wir "erst" bei der 2. Fahrt des Tages mit dabei, die für uns um 9:45 Uhr beginnt.

Unser rotes Boot, die "Lady Bowen", ist kleiner als so einige der anderen Schiffe im Hafen. Im Vergleich ist unser kleines Boot fast schon "knuddelig", und das, obwohl es zwei Decks hat – und so sieht es aus:

Milford Sound Neuseeland

 

Ruhige Ausfahrt auf dem Milford Sound

Die meisten Touristen scheinen gegen 10 Uhr noch im Bus zum Milford Sound zu sitzen, und es geht am Hafen noch sehr ruhig zu. Die 28 Busparkplätze vor dem Hafengebäude sind noch fast leer. Die Parkplätze für "normale" Fahrzeuge sind schon fast vollständig besetzt, und ein Park-n-Ride Bus zieht seine Runden.

Als wir mit der Lady Bowen ablegen, bin ich froh, dass wir nicht die erste Fahrt genommen haben, da so einige Felswände auch jetzt noch im Schatten liegen.

Es ist windstill, und eine einzige Yacht ist jetzt (also um 9:45 Uhr) unterwegs:

Milford Sound Neuseeland

Das Wasser ist so klar und glatt, dass sich die Berge darin spiegeln.

Wir fahren an den steilen Hängen des Fjords entlang – Milford Sound ist nämlich trotz des Namens ein Fjord – also ein von einem Gletscher ausgeschliffenes Fluss-Tal.

An einem sonnigen Felsen entdecken wir eine Kolonie Seehunde – alles junge Männchen, die gemeinsam ihr Junggesellen-Dasein genießen:

Milford Sound Neuseeland

 

Da es in den letzten Tagen nicht geregnet hat, sehen wir nicht so viele Wasserfälle – also nur "Dutzende" und nicht "Hunderte". An einem Wasserfall fahren wir so nahe heran, dass ein Tablett mit Wassergläsern aufgefüllt wird.

Milford Sound Neuseeland

Das Wasserfall-Wasser schmeckt übrigens wunderbar.

 

Schnelle Dusche an den Sterling Falls

Auch an den Sterling Falls halten wir – beziehungsweise in den Sterling Falls. Hier kann jeder eine kostenlose Dusche bekommen. Ich habe ganz feige durch das Fenster fotografiert. Die Dusche ist also kein Muss.

Milford Sound Neuseeland

 

Hier der Sterling Wasserfall noch einmal ganz friedlich aus weiterer Entfernung:

Milford Sound Neuseeland

 

Schwarze Korallen im Milford Sound

Ein besonderes Highlight für uns ist auch das Unterwasser-Observatorium, in dem man sehr seltene schwarze Korallen sehen kann, die man normalerweise nur in sehr tiefem Wasser (100 Meter oder tiefer) antrifft.

Ich weiß, die Korallen sehen auf dem Foto unten weiß unten aus. Aber wenn man die weißen Teile entfernen würde, würde ein schwarzes Skelett übrig bleiben, erzählt man uns.

Milford Sound Neuseeland

Der Blick aus den dicken Spezial-Fenstern, die offenbar 10.000 NZ-Dollar pro Stück gekostet haben, geht nicht hinaus in ein Aquarium: Wir befinden uns in einem schwimmenden Observatorium 64 Stufen bzw. 10 Meter unter dem Meeresspiegel und schauen hinaus in den Milford Sound. Daher schweben ab und zu auch größere Fische an den Fenstern vorbei.

Tauchen kann man im Milford Sound auch, aber nur mit Trockentauchanzug und für einen Preis jenseits der 250 NZ-Dollar Grenze. Da ist der Besuch des Observatoriums für uns die erschwinglichere Alternative.

Zurück ans Festland

Schließlich müssen wir wieder zurück an die Oberfläche. Wir fahren mit einem Riesen-Schiff, das kurz hält, um uns mitzunehmen, wieder zurück zum Hafen von Milford Sound.

Natürlich nicht ohne noch einen letzten Wasserfall gesehen zu haben:

Milford Sound Neuseeland

 

Die Zeit am Milford Sound geht für uns nun vorbei. Wir schauen uns noch kurz das Touristen-Getümmel am Hafen an, und verspeisen das Picknick, das wir bei der Bootstour in einem braunen Papierbeutel mitbekommen haben.

Schöne Aussichten an der Brücke am Falls Creek

Dann geht’s zurück zu unserem kleinen weißen Toyota, und wir schlagen denselben Weg ein, den wir gekommen sind – zurück nach Te Anau.

Es ist bereits gegen 14 Uhr und wir warten etwa 10 Minuten an der Ampel vor dem Homer Tunnel.

Ein paar Minuten später halten wir noch schnell an einer Aussichtsbrücke mit türkisfarbigem Bergbach, dem Falls Creek:

Milford Sound Neuseeland

 

Wandern am Routeburn Track

Viel bewegt haben wir uns heute noch nicht. Und das, obwohl wir schon Nachmittag haben. Wir entschließen uns daher noch zu einer kurzen Wanderung auf dem 32 Kilometer langen Routeburn Track, der an der Passhöhe des Milford Highways beginnt.

Wenn man auf keiner Hütte übernachtet, kann man auch als Tageswanderer problemlos den Routeburn Track gehen, etwa zum Aussichtsberg Key Summit.

Gegen 16 Uhr haben wir diesen Aussichtspunkt erreicht:

Milford Sound Neuseeland

Leider müssen wir nun wieder umdrehen, da wir rechtzeitig vor dem Schließen der Rezeption noch den Schlüssel für unsere Hütte am Campingplatz von Te Anau abholen müssen.

Trotzdem ist noch Zeit, kurz bei den Mirror Lakes zu halten. Und ja, heute sieht man tatsächlich die Spiegelung der Berge:

Milford Sound Neuseeland

 


9. Februar

Te Anau – Manapouri – Te Anau

Heute erwartet uns eine Bootsfahrt über den Doubtful Sound. Wieder eine Bootsfahrt – wird das nicht langweilig?

Das haben wir vorher auch überlegt, aber wir fanden bisher, dass jede Bootsfahrt seinen Reiz hat. Und das gilt auch für die Ausfahrt zum Doubtful Sound.

Als wir um 6:45 Uhr in Manapouri ankommen, das etwa 20 Minuten von Te Anau entfernt liegt, geht gerade die Sonne auf:

Milford Sound Neuseeland

 

Ich hatte eine Ausfahrt mit Go Orange gebucht, aber ich sehe kein oranges Boot.

Um 7:15 Uhr legt das kleinere der beiden Boote (siehe Foto oben links) mit uns an Bord ab. Es ist ein blaues Boot von Real Journeys, die offenbar mit Go Orange zusammen arbeiten.

Neuseelands größtes Wasserkraftwerk

Wir überqueren den Lake Manapouri mit seinen vielen Inseln und legen am Bootssteg in der Nähe des Kraftwerks an. Das 1971 erbaute Wasserkraftwerk produziert 800 Megawatt und ist damit das größte Kraftwerk Neuseelands.

Milford Sound Neuseeland

Früher konnte man das Wasserkraftwerk besuchen, aber da es gerade (2018) renoviert wird, ist der Zugang aus Sicherheitsgründen geschlossen, und wir sehen uns nur kurz im Besucherzentrum um.

Die Fahrt zum Doubtful Sound ist nicht ganz trivial – nach der Überquerung des Lake Manapouri fahren wir nun mit einem Bus etwa eine Stunde über einen Bergpass zum Doubtful Sound.

Die Schotterstraße auf dem Foto unten ist wahrscheinlich die teuerste Straße Neuseelands, die im Grunde von Nirgendwo nach Nirgendwo führt. Aber da sie für das Wasserkraftwerk gebaut wurde, war sie wohl das Geld wert.

Milford Sound Neuseeland

 

Am Bootssteg am Doubtful Sound erwartet uns unser orangenes Boot. Es hat Platz für gerade einmal 49 Gäste. Wir sind heute kaum 30 Leute an Bord – kein Wunder, wer mag schon so früh aufstehen?

Unser Kapitän hat lange, graue Haare und einen Bart und sieht ein bisschen aus wie der Vater von Piraten-Kapitän Jack Sparrow.

Milford Sound Neuseeland

 

Unser Boot führt uns durch beeindruckende Landschaften aus Bergen, Wäldern, Wolken und Regen:

Milford Sound Neuseeland

Für die Gäste gibt es unterwegs kostenlosen Kaffee, Kakao und Tee, den wir aufgrund des kalten und nassen Wetters gerne in Anspruch nehmen.

Ganz am Ende des Doubtful Sounds treffen wir auf eine Kolonie Seehunde. Auf dieser Insel leben vorwiegend Weibchen mit ihren Jungen, während wir im Milford Sound zuvor ja nur die Junggesellen gesehen hatten.

Milford Sound Neuseeland

 

Wir umrunden die Seehund-Insel und treten die Rückfahrt in den Fjord an. Unterwegs fährt unser Kapitän ganz nah an die Wasserfälle heran.

Milford Sound Neuseeland

 

Bei diesem Wasserfall kann man sogar eine kostenlose Gesichtsbehandlung mit reinem Quellwasser bekommen:

Milford Sound Neuseeland

 

Regen am Doubtful Sound

Das Wetter verdüstert sich wieder, und die Berge tauchen auf und verschwinden in einem Meer aus tief liegenden Wolken.

Einige Szenen aus Jurassic Park sollen am Doubtful Sound gefilmt worden sein, erzählt unser Kapitän. Das kann ich mir gut vorstellen.

Zurück am Hafen wartet wieder der Bus auf uns, der uns in einer Stunde über den Pass bringt. Unterwegs halten wir noch an einigen interessanten Stellen, wie etwa diesen Aussichtspunkt auf einen Wasserfall:

Milford Sound Neuseeland

Danach geht es mit der Fähre zurück nach Manapouri, und mit dem Auto nach Te Anau.

In Te Anau ist von Regen keine Spur. Es ist windstill und fast schon warm, wenn auch nicht sonnig.

Ein letzte Abend im trockenen Te Anau

Am Ufer finden wir ein Hinweisschild, dass Te Anau mit 1500 Millimetern Regen im Jahr der trockenste Ort in dieser Region ist (zum Vergleich: in Berlin misst man typischerweise um die 570 Millimeter).

Unser letzter Abend im Fjordland von Neuseeland bricht an, und wir sind ein bisschen traurig. Ab morgen geht es nach Norden – immer weiter, bis wir schließlich am Ende unseres Urlaubs die Fähre bei Picton erreicht haben.

 


10. Februar

Te Anau – Queenstown – Wanaka

Auf der Südinsel von Neuseeland gibt es nicht sehr viele Straßen. Wir fahren daher von Te Anau nach Queenstown dieselbe Straße wieder zurück, die wir gekommen sind.

Es ist der heißeste Tag, seit wir in Neuseeland angekommen sind. Endlich T-Shirt Wetter!

Wir halten an verschiedenen Aussichtspunkten am Lake Wakatipu, wie etwa diesen hier:

Milford Sound Neuseeland

 

Ein teuflisch guter Burger in Queenstown

Queenstown erreichen wir rechtzeitig zum Mittagessen. Bei Fergburger brauchen wir gar nicht vorbei zu schauen – hier geht die Schlange der hungrigen Fans sowieso wieder bis um die Ecke.

Aber die Burger bei Devil Burger haben uns zuletzt so gut geschmeckt, dass wir dem Imbiss gerne noch einmal einen kurzen Besuch abstatten.

Bis zum Strand des Lake Wakatipu sind es kaum 100 Meter, und wir verspeisen unsere "Beute" mit Blick aufs Wasser. Wir haben genug Münzen für eine Stunde in die Parkuhr geworfen, und nach einer Stunde sind wir auch wieder unterwegs.

Heute übernachten wir in Wanaka, wir haben also noch einige Kilometer Fahrt vor uns.

Historische Kawarau Brücke

Die 43 Meter hohe Kawarau Brücke in der Nähe von Queenstown ist in zweifacher Hinsicht ein historisches Highlight: Zum einen steht die 1880 erbaute Hängebrücke unter Denkmalschutz, zum anderen ist dies der Ort, an dem der Nervenkitzel-Pionier A.J. Hackett 1988 die erste Bungy-Anlage der Welt eröffnet, und damit den Abenteuer-Tourismus in Neuseeland gestartet hat.

Heute dient die Kawarau-Brücke als Wanderweg und auch als Absprung-Plattform für Menschen, die sich an einem flexiblen Seil für 250 NZ- Dollar pro Minute freiwillig in die Tiefe stürzen.

Wer einfach nur gaffen bewerten will, wie elegant die Männer und Frauen von der Brücke springen, zahlt nichts.

Bei A.J. Hackett gibt es übrigens auch Kaffee und andere Getränke – dieser besondere Aussichtspunkt lohnt sich also auch für durstige Kehlen.

 

Wir verlassen das Tal von Queenstown und schlängeln uns die Pass-Straße nach Cardrona hinauf. An einem Aussichtspunkt sehen wir, was wir hinter uns gelassen haben:

 

BHs für einen guten Zweck

Hinter Cardrona entdecken wir den "Bra Fence" – das sind 70 Meter aneinander gereihte Damen-BHs.

Gezählt habe ich sie nicht, aber es müssen hunderte sein, wie das Panorama zeigt:

Die BHs hängen hier auch nicht ohne Grund: In einer Metall-Box in der Mitte der "Installation" werden Spenden für die Brustkrebsforschung gesammelt.

Ankunft in Wanaka

Am Nachtmittag erreichen wir Wanaka. Fast könnte man glauben, der Ort ist die kleine Schwester von Queenstown – mit knapp 8500 Einwohnern hat Wanaka auch nur halb so viele Einwohner wie Queenstown.

Wie man an den Bikinis auf dem Foto unten sehen kann, ist es heute geradezu heiß – irgendwo Mitte 20 Grad:

Entlang des Sees sind unzählige Backpacker-Wohnmobile geparkt. An offenen Kofferraum-Klappen bekochen sich junge Reisende oder entspannen einfach nur auf Klappstühlen neben ihren Gefährten.

Der Baum von Wanaka

Nicht auslassen dürfen wir "That Wanaka Tree", also den Baum von Wanaka. Er wächst nicht weit vom Ufer im Lake Wanaka und ist ein beliebtes Fotomotiv.

Der Grund, warum heuteso viele Leute am Ufer sitzen ist nicht nur der Baum, sondern auch der Piano-Spieler: Vojtěch Pango Zámečník (https://pianomad.com/ ).

Der "wilde Pianist" spielt stundenlang ohne Pause, dreht sich nicht zu uns um, und erwartet nicht, dass wir klatschen. Wer etwas spenden will, kann das gerne machen, oder eine CD kaufen. Aber wie gesagt – für ihn zählt nur die Musik.

Und so klingt der Abend in Wanaka für uns bei romantischer Piano-Musik vor traumhafter Bergkulisse aus.

 


11. Februar

Wanaka – Haast

Am folgenden Tag werden wir vom Geräusch von Regen auf unserem Fenster geweckt. Das sieht nicht gut aus.

Die Berge von Wanaka haben sich in dichte Wolken gehüllt. Mangels Fernsicht fallen damit die Bergwanderungen aus, die wir eigentlich vorhatten.

Wir besuchen noch einmal den Wanaka Tree. Derselbe Ort, aber eine völlig andere Stimmung als gestern:

Auch die Piano-Spieler ist verschwunden, sitzt vielleicht vor einem warmen Kamin und hört dem Knistern des Feuers zu. Oder übt auf dem Klavier.

Abschied von Wanaka

Wir müssen leider weiter. Ich wäre zwar gerne noch länger in Wanaka geblieben, aber auch für den folgenden Tag wird Regen angesagt. Das lohnt also nicht.

Statt dessen fahren wir an atemberaubenden Bergpanoramen vorbei in Richtung Haast Pass.

Wenn die Wolken nicht da wären, würden wir diese Panoramen auch sehen. Statt dessen sehen wir das:

 

Über den Haast Pass an die Westküste Neuseelands

Der Haast Pass ist eine einsame Straße – einsam genug, dass es keinen Handy Empfang gibt. Von Wanaka bis Haast sind es etwa 143 Kilometer, geschätzte Fahrzeit vielleicht zwei bis drei Stunden.

Auf der Strecke gibt es viele Wandermöglichkeiten, Wasserfälle und Aussichtspunkte. Bei Regen und Temperaturen von höchstens 15 Grad sind wir eher nicht so motiviert, alle zu besichtigen

Blue Pools Track

An den Blue Pools können wir aber doch nicht einfach so vorbeifahren. Wir zerren unsere Regenjacken über und klappen die Regenschirme auf.

Den Regen kann man gut auf dem folgenden Bild sehen, und auch das klare Gletscherwasser in den Blue Pools ist ein echter Hingucker, egal bei welchem Wetter:

 

Kein Weiterkommen auf dem Haast Pass?

Der Haast Pass war übrigens nach Wirbelsturm "Fehi", der ein paar Tage vor unserer Ankunft über Neuseeland hinweggefegt ist, für 48 Stunden komplett gesperrt.

Es hatte Erdrutsche gegeben, die erst einmal weggeräumt werden mussten. Einige Reisende sind dabei die ganze Zeit über zwischen den Erdrutschen eingesperrt gewesen, hören wir.

Wir fahren an verschiedenen Stellen vorbei, an denen man noch gut sehen kann, dass noch vor kurzem mit schwerem Gerät geräumt wurde.

Mir wird ein bisschen komisch im Bauch bei dem Gedanken, dass uns das vielleicht ebenfalls noch passieren könnte. Hatte ich da eine Vorahnung?

Roaring Billy Falls – Wasserfälle

Als wir die Passhöhe überqueren, versiegt zum Glück der Regen.

Bei den Roaring Billy Falls halten wir für einen kurzen Spaziergang. Das weiße Auto im Bild unten ist unser kleines Reisefahrzeug:

 

Auf dieser Seite des Haast Passes gibt es viele Farnbäume, und unser Spaziergang führt uns durch eine Landschaft wie bei Jurassic Park:

 

Abendessen mit Geweih in Haast

Schließlich erreichen wir unversehrt die Westküste Neuseelands – und es scheint die sogar Sonne!

Nach dem Abendessen im Restaurant "Hard Antler", das sich vorwiegend auf Hirsch-Spezialitäten konzentriert hat (Antler = Geweih), fahren wir noch ein Stück weiter zu unserer Unterkunft, die an der Küste von Haast liegt.

Vom "Hinterhof" der Bay Roads Motels hat man diesen Ausblick:

 

Wir finden einen Zugang zum Strand und vertreten uns die Beine. Die heftigen Regenfälle am Nachmittag sind schon fast wieder vergessen bei diesen Aussichten:

 

Hier finden uns auch die gemeinen Sandflies (Stechmücken) wieder, die uns zuletzt am Milford Sound geplagt haben. Offenbar sind sie an der Westküste Neuseelands besonders schlimm.

Und dann geht die Sonne unter. Das ist doppelt schön, weil das Panorama beeindruckend ist und weil die Mücken uns endlich in Ruhe lassen.

 


12. Februar

Haast – Franz Josef via Fox Glacier

Am nächsten Morgen ist es weiterhin sonnig und angenehmen – bestes Urlaubswetter.

Wir besuchen das Nationalpark-Besucherzentrum in Haast, wo uns schlechte Nachrichten erwarten: Der einzige Highway nach Franz Josef Glacier ist gesperrt wegen eines Erdrutsches.

Unsere Unterkunft für diesen Tag befindet sich aber in Franz Josef!

Die Mitarbeiterin im Nationalpark-Büro erklärt uns, dass sie nicht weiß, wann die Straße wieder frei sein wird. Es könnte möglicherweise heute sein. Oder morgen.

Die Stimmung ist gedrückt, und unser Reisetempo verlangsamt sich schlagartig. Je später wir an den gesperrten Straßenabschnitt kommen, umso besser. Ich mache mit schon Gedanken, wie die nächste Nacht im Auto wohl sein wird, aber Robert ist zuversichtlich, wie immer.

Delfine am Ship Creek

Wir steuern als erstes den Strand von "Ship Creek" an. Hier soll man mit ein bisschen Glück die seltenen Hector Delfine sehen können.

Ein bisschen Glück haben wir uns nach diesen Nachrichten immerhin verdient. Wir gehen am Strand entlang und halten Ausschau. Keine Delfine.

Wir wollen den "Dune Lake Walk" gehen. Der Weg ist leider komplett zugewachsen und wird gerade heute von Landschaftsgärtnern mit knatternden Gerätschaften freigeschnitten.

Einzig der Weg vom Parkplatz zum Strand ist frei zugänglich, wie das Foto zeigt:

Wir gehen wieder zurück zum Strand und – da sind sie! Eine Gruppe von vergleichsweise kleinen Delfinen mit heller Haut und dunklen Rückenflossen.

Die Hector Delfine sind leider zu weit weg, um sie mit dem Handy zu fotografieren oder filmen, aber wir sind trotzdem sehr glücklich über die Begegnung.

Die Delfine schwimmen im Schritt-Tempo parallel zum Strand entlang, sodass wir gut mithalten können. Und plötzlich sind sie so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind.

Lange können wir am Strand von Ship Creek nicht bleiben, da die Mücken uns wieder plagen, sobald wir stehen bleiben. Nur wenn man ständig in Bewegung ist, lassen sie einen in Ruhe.

Aussichtspunkte an der Westküsten-Straße von Neuseeland

Wir fahren die Küstenstraße weiter nach Norden in Richtung Franz Josef Glacier, und halten unterwegs noch an einem weiteren Aussichtspunkt:

 

Pinguine am Monro Beach?

Als wir gegen Mittag die Zufahrtsstraße zum Wanderweg zum Monro Beach erreichen, kommen uns eine ganze Reihe von Autos und Motorrädern entgegen. Wir fragen uns, ob die wohl umgedreht sind, oder ob die Straße vielleicht wieder geöffnet ist? Wir drücken die Daumen und hoffen auf Letzteres.

Wir nehmen den Monro Beach Walk (4,7 km / 1,5 Stunden hin- und zurück) in Angriff, denn am Strand soll es Pinguine geben.

Offenbar sind die Jungen um diese Zeit (Februar) schon aus dem Nest, und man kann mit ein bisschen Glück vielleicht den einen oder anderen Pinguin, der gerade in der Mauser ist, wie ein gerupftes Hühnchen im Gebüsch stehen sehen. Wir haben kein Glück.

Die Mittagssonne hat den Kies-Strand richtig schön aufgeheizt. Ein Bad wäre jetzt schön, wenn uns nicht wieder diese Sandflies (Stechmücken) den Spaß verderben würden.

Kaum sind wir wieder in Wald, sind die Mücken verschwunden.

Immerhin finden wir an einem Überhang direkt am Weg einige Glühwürmchen. Eins davon scheint hungrig zu sein und leuchtet schwach im Dämmerlicht des Waldes.

Eisige Aussichten am Fox Glacier

Es ist schon nach 17 Uhr, als wir die kleine Ortschaft Fox Glacier erreichen.

Die direkt Zufahrtsstraße zum Gletscher ist gesperrt, allerdings kann man aus einem Wäldchen in der Nähe einen Blick auf den Gletscher werfen:

 

Freier Weg nach Franz Josef!

Wir haben Glück, und auch der Highway nach Franz Josef Glacier ist wieder befahrbar. Wir müssen also nicht im Auto schlafen! Mir fällt ein Stein von der Seele.

Wir checken bei unseren Campingplatz ein und bekommen wieder eine einfache Hütte mit Doppelbett. Das Bad befindet sich im Küchen- / WC-Block in der Nähe. Danach geht es in den Ort, und wir wollen einkaufen.

Der Zwei-Straßen-Ort vermittelt den Eindruck, dass er einzig nur für den Tourismus existiert. Die Hotels, Restaurants und eine Tankstelle sowie der kleinen Four Square Laden verteilen sich entlang des Highways und der parallel dazu verlaufenden Cron Street.

Und so sieht der Ort aus – mit Gletscher-Aussichten:

Die Gemüseabteilung des Four Square Ladens ist offenbar während der Straßensperrung mehr oder weniger ausgeräubert worden – nur an Bier und Chips mangelt es nicht.

Wir entscheiden uns statt dessen in der "SnakeBite Brewery" essen zu gehen. Das ist vielleicht nicht billiger, aber das Essen schmeckt lecker.

Als es Dunkel wird, gehen wir noch den Wanderweg, der am Ortseingang in den Wald führt, nich weit von der Brücke über den Waiho River. Der Weg endet an einem Warnschild – hier ist es nicht sicher, weiter zu gehen. Glühwürmchen sehen wir nicht. Aber es war ein netter Abendspaziergang.

 


13. Februar

Franz Josef Glacier

Wahrscheinlich wäre es kein Problem gewesen, für den Tag wieder die ca. 35 Kilometer zurück nach Fox Glacier zu fahren, aber ein ungutes Gefühl im Bauch hält wenigstens mich davon ab, es vorzuschlagen.

Am Franz Josef Glacier gibt es zwei Wanderwege: Einen langen Weg direkt am Berghang entlang zu einem Ausguck oberhalb des Gletschers. Dieser Weg ist bei nassem Wetter eher nicht zu empfehlen, da die Felsen sehr glitschig sein können.

Und dann gibt es noch den Weg für die "Fußtruppen" durch das Tal. Das ist der kürzere Weg, den alle gehen. Und ich meine wirklich alle.

Morgens früh haben wir noch bei super Aussichten auf den Gletscher gefrühstückt, den man direkt von unserem Campingplatz sehen kann. Als wir gegen 11 Uhr unterwegs sind, zieht es sich zu, und es sieht definitiv nach Regen aus.

Wir wandern unter grauem Himmel zwischen Busladungen von Touristen aus aller Welt zum Aussichtspunkt.

Man sieht zwar nicht so viele Menschen auf den Fotos, aber das liegt wohl eher daran, dass ich lieber Natur als Menschen fotografiere.

Hier noch ein weiterer Blick auf den Franz Josef Gletscher:

 

Am letzten Aussichtspunkt direkt unterhalb des Gletschers kann man gut sehen, wie weit sich das Eisfeld bereits zurückgezogen hat. Noch ein paar Jahre, und man wird nur noch mit dem Helicopter etwas zu sehen bekommen.

Die Helicopter sind im übrigen gut gebucht, und sausen morgens schon vor 8 Uhr im Minutentakt über das Tal hinweg. Das hört den ganzen Tag nicht auf bis es Dunkel wird.

 

Und da kommt schließlich der Regen. Es ist zwar kalt und nass, aber irgendwie trotzdem schön:

 

Kiwis in Franz Josef

Um die Mittagszeit sind wir wieder in Franz Josef. Die Berge verstecken sich in den Wolken, und es bleibt regnerisch. Eine Wanderung zu einem anderen Aussichtspunkt fällt daher aus.

Wir entscheiden uns für einen Besuch im "Wild Life Centre", das die seltenen Kiwi-Vögel beherbergt. Bei Okarito, in der Nähe von Franz Josef, leben die Rowi-Kiwis, die vom Aussterben bedroht sind.

Diese Vögel sind so selten, dass die lokalen Naturschützer schon aus Verzweiflung die Eier aus den wenigen Nestern stehlen, um die Überlebenschancen der freundlichen und flugunfähigen Vögel zu erhöhen.

Im "Wild Life Centre" wachsen die Kiwis auf und werden schließlich als Erwachsene wieder in die Wälder an der Okarito Lagune ausgesetzt, die wir am nächsten Tag noch besuchen wollen.

Hier ein Foto vom Wild Life Centre:

Spenden für den Kiwi

Der Eintrittspreis ist ein Schocker: Normalerweise zahlt man 38 NZ-Dollar pro Erwachsene, aber wir haben einen Rabatt-Gutschein auf unserem Campingplatz gefunden, der uns jeweils 5 Dollar spart.

Dafür sehen wir drei Vögel in einem langgestreckten Gehege. Es ist fast stockdunkel, aber den Kiwis macht es nichts aus: Sie eilen durch das Gehege und suchen nach kleinen Insekten in der Erde und in verrottenden Baumstämme. Wer Nachtblind ist, sieht hier wahrscheinlich fast gar nichts. Da die Augen der Tiere lichtempfindlich sind, dürfen wir keine Fotos machen.

Der Geruch im Gehege ist ein wenig merkwürdig, aber das scheint der natürliche Eigengeruch der Vögel zu sein, der offenbar für Hunde sehr anziehend und daher für Kiwis sehr gefährlich ist.

Immerhin gilt das Ticket für 2 Tage. Aber ein bisschen teuer finde ich es trotzdem.

Rückblickend haben wir anderswo in Neuseeland keine wild lebenden Kiwis mehr gesehen, insoweit war es immerhin eine einmalige Sache.

Es soll Kiwi-Vögel im Tierpark in Queenstown geben, habe ich mir sagen lassen. Aber den Park haben wir leider verpasst.

Barbecue in Franz Josef

Später statten wir dem Four Square Supermarkt noch einmal einen Besuch ab. Da die Landstraße jetzt wieder frei ist, scheint auch neue Ware gekommen zu sein. So können wir in der Grillhütte auf unserem Campingplatz ein sehr zufriedenstellendes Menü zubereiten:

 

Danach erkunden wir noch die Umgebung unseres Platzes, der in etwa so groß ist wie ein Dorf, und entdecken sogar noch einen lohnenswerten Aussichtshügel:

 


14. Februar

Franz Josef – Hokitika

Als wir aufwachen, ist es kühl, aber trocken. Den Gletscher sehen wir beim Frühstück noch ein letztes Mal aus der Ferne. Danach schnell nochmal ins Wildlife Centre. Wir schauen uns ein letztes Mal die Kiwi-Vögel im Düsterlicht an, bevor wir den Ort verlassen.

Heute fahren wir die Westküste entlang immer Richtung Norden, nächstes Ziel: der Küstenort Hokitika und seine Glühwürmchen.

Kurz hinter Franz Josef liegt direkt an der Landstraße der See Lake Mapourika. Es ist windstill, und die Landschaft spiegelt sich im glasklaren Wasser:

 

Wir biegen ab in Richtung Okarito Lagune ab – und sind nun im Kiwi-Schutzgebiet:

 

Pakihi Walk Wanderweg mit Aussichtspunkt

Wir laufen den Pakihi Walk hinauf zu einem Aussichtspunkt. Bei klarem Wetter kann man hier die Südlichen Alpen und Mount Cook mit Franz Josef Gletscher sehen. An unserem Besuchstag ist es leider wolkig, und wir müssen uns die Gletscher denken:

 

In die andere Richtung schaut man vom selben Aussichtspunkt auf die Okarito Lagune und das Meer:

 

Wir fahren noch kurz an der Lagune vorbei bis zum Strand der Siedlung Okarito und vertreten uns dort die Beine. Auch hier können wir uns keinen Moment hinsetzen, weil ansonsten die Mücken wieder zubeißen. Auf dem Foto sieht man die weit auseinander stehenden Häuser des Ortes:

 

Goldgräber-Siedlung Ross

Wir sparen uns heute das Mittagessen und fahren weiter an der Küste entlang Richtung Norden und erreichen gegen Nachmittag die ehemalige Goldgräber-Siedlung Ross. Dort finden wir folgendes ausgefallenes Haus:

 

Die Schlucht von Hokitika / Hokitika Gorge

Von Ross ist es bis nach Hokitika nicht mehr weit. Wir checken kurz ein in unserem Hotel, eigentlich eine Kneipe mit Schlafzimmern hinten am Gebäude, und machen uns gleich wieder auf den Weg.

Die Hokitika Gorge ist wegen ihres blauen Gletscher-Wassers bekannt, das je nach Wetter eine andere Farbnuance zeigt. Bei uns ist es ein milchiges Blau. Auch als gute Badestelle ist die Hokitika Gorge bekannt.

Was man auf dem Foto nicht sehen kann, sind die Schwärme von Sandflies (Stechmücken), die sich auf alle stürzen, die vorher nicht in Insektenmittel gebadet haben.

Das ist auch ein Grund, warum alle Menschen im Bild oben stehen, und sich keiner gemütlich hinsetzt. Auch ins Wasser traut sich keiner – dann würde man zu viel nackte Haut den Mücken preisgeben.

Wir sind froh, dass wir an der Schlucht waren, aber wir sind auch froh, dass wir sie hinter uns lassen.

Auf der Rückfahrt in den Ort entdecken wir folgenden skurrilen Briefkasten:

 

Unterwegs in Hokitika / Westküste Neuseeland

In Hokitika ist es endlich Zeit zum Abendessen. Wir sind völlig ausgehungert und haben keine Lust zum kochen. Robert würde gerne "Whitebait" essen – eine Neuseeländische Spezialität. Hierbei handelt es sich um winzige Fische, die man im ganzen – ähnlich wie Anchovis – essen kann.

Wir landen schließlich bei "Fat Pipi Pizza". Ich weiß, der Name klingt weniger appetitlich, aber in Australien und Neuseeland ist eine "Pipi" eine kleine Muschel. Und sonst nichts.

Robert bestellt sich eine Whitebait Pizza, die so lecker aussieht:

 

Das "Schiffswrack"

Nach dem Essen spazieren wir den Strand von Hokitika entlang, und entdecken dieses Schiff, das scheinbar auf den Felsen aufgelaufen ist:

Auch wenn es so aussieht – dieses original große Betonschiff ist noch nie zur See gefahren, aber es ist ein Mahnmal für all die Schiffe, die früher an der gefährlichen Hafeneinfahrt von Hokitika gesunken sind.

Insgesamt kann man an der Strandpromenade von Hoktika noch Zeichen der Sturmflut von Wirbelstum Fehi sehen, der hier vor kurzem gewütet hat, aber bei unserem Besuch ist alles wieder ordentlich aufgeräumt.

Glühwürmchen in Hokitika

Nun kommen wir zum eigentlichen Grund, warum wir in dieser Nacht in Hokitika bleiben: In einem Waldstück am nördlichen Ortsausgang, an der Landstraße in etwa unterhalb dieses Leuchtturms gibt es Glühwürmchen!

Hier der Leuchtturm – wie man sieht, dient er heute nur noch der Dekoration:

 

Und hier ist Eingang zum "Glow Worm Dell":

Als wir zum Sonnenuntergang den "Glow-Worm Dell" besuchen, ist es schon ziemlich düster in dem natürlichen Amphitheater, aber wir sehen nichts "Glühendes". Außer uns ist keiner hier.

Wir gehen daher noch einmal zum Aussichtspunkt am Leuchtturm:

Danach gehen wir für einen kurzen Spaziergang an den Strand, bis es wirklich stockdunkel draußen ist.

Und dann geht es zurück zur Glühwürmchen-Höhle. Es ist nun so dunkel, dass ich kaum meine Füße sehen kann. Und außer uns sind nun eine ganze Menge Menschen hier- und es werden immer mehr.

Zum Glück steht am Eingang ein Schild, dass die Glühwürmchen keinen Lärm mögen. Das ist zwar völliger Blödsinn – sie haben ja auch in Te Anau in der "lauten" Höhle geglüht – aber so sind die vielen Besucher wenigstens leise, sodass man den Anblick genießen kann.

Stellen Sie sich einfach eine Galaxis aus tausenden von lebendigen Wesen vor, die vor Ihnen und über Ihren Köpfen leuchten.

 


Wie es weiter geht, und was wir bei "Wirbelsturm Gita" alles noch erleben, lest ihr dann auf der nächsten Seite….

 

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