Weihnachten in Australien

Wie Australier die Weihnachtszeit verbringen und wie und wann sie Weihnachten feiern, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Weihnachten ist schön – Weihnachtsbaum, Kerzenlicht und gutes Essen im Kreis der Familie – und natürlich spannende Geschenke für Kinder und Erwachsene.

Kein Wunder also, dass Weihnachten unabhängig von der Religion mittlerweile rund um die Welt gefeiert wird. In manchen Ländern – wie etwa in Australien – fallen die Weihnachtstage allerdings mitten in den Sommer.

Bild: Nur damit man nicht vergisst, dass bald Weihnachten ist – gesehen in Melbourne.


 

Weihnachtszeit im Australischen Frühling

Die Weihnachtszeit fängt in Australien Anfang November an, wenn in Melbourne und Sydney das Frühlingsgrün in den Bäumen so langsam verblasst, und wenn im Norden Australiens der Pazifische Ozean mit 28 Grad angenehm temperiert ist.

Die Dekoration in Australiens Straßen ist meist verhalten. Nicht selten wird den Einkaufszentren die Aufgabe überlassen, für eine stimmungsvolle Deko zu sorgen.

Einen Weihnachtsbaum gönnen sich viele Gemeinden aber doch: In Cairns etwa steht der Weihnachtsbaum zwischen langhalsigen Palmen an der Esplanade.

 

Bild: Weihnachtsbaum in Cairns.


 

Der Weihnachtsmann im Einkaufszentrum

Ein anderer traditioneller Begleiter, den man in größeren Einkaufszentren antreffen kann, ist tatsächlich der Weihnachtsmann persönlich. Nicht selten sitzt er in vollem Ornat – und mit weißem Rauschebart – auf seinem Thron, und lässt sich mit Kindern zusammen fotografieren.

Bild: Der Weihnachtsmann wartet auf die Kinder.


 

Die Praxis hat gezeigt, das vor allem bei sehr kleinen Kindern der Weihnachtsmann nicht nostalgisch sondern eher bedrohlich erscheinen kann. Die Eltern lassen sich davon allerdings nicht beirren, und zahlen gerne bis an die $50 (etwa 40 Euro) für ein Fotopaket mit Santa Claus persönlich.

Weihnachtsdeko im Australischen Vorgarten

Auch privat tun Australier einiges, um sich auf Weihnachten einzustimmen. Adventskalender und Adventskränze sind in Australien eher weniger bekannt – soweit man nicht eine Aldi Supermarkt in der Nähe hat, der auch importierte Adventskalender verkauft.

Die Fenster und vor allem die Vorgärten werden mit Lichtinstallationen geschmückt, die nicht selten spektakuläre Ausmaße annehmen können.

In der Aufbauphase sieht man hier oft gestandene Männer in Badeschlappen auf ihren Aluleitern stehen, um Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen zu verlegen, die als Regenschutz abenteuerlich in Plastiktüten eingewickelt werden.

Neben Lichterketten sind hier vor allem in Australien nicht beheimatete Tiere, wie etwa Rehe und Rentiere zu finden. Manchmal sieht man den Weihnachtsmann, der an einem Hausdach hochklettert, manchmal sitzt er noch in seinem Schlitten.

Aber es geht nocht besser: Im Hunter Valley bei Sydney gibt es einen Landschaftsgarten, der zur Weihnachtszeit die Besucher mit Weihnachtsliedern und einer Lichtshow mit 1 Million Lichtern (!) beglückt. Das ist ist auch für Australien ein Rekord 😉

Weiße Weihnachten im Hochsommer

Freunde der traditionellen weißen Weihnacht kleiden ihren Vorgarten machnmal sogar in weißer Watte ein. Nicht selten wird der künstliche Schnee von Menschen aufgebracht, die in ihrem Leben noch nie eine Schneeflocke auf der Hand gespürt haben, und die Schnee nur aus dem Fernsehen kennen.

Der künstliche Schnee sieht bei Nacht im Licht von Tausend bunten Lämpchen tatsächlich wie Schnee aus – während die Schaulustigen bei in Shorts und T-Shirts die "Schneewelt" fotografieren, da es auch nachts oft noch an die 30 Grad heiß sein kann.

 

Bild: Ein typischer Vorgarten im Dezember.


 

Die schönsten Weihnachtslichter Australiens

Passend dazu werden in vielen Städten die schönsten Installationen prämiert, und in Zeitung und Fernsehen vorgestellt.

In der Zeitung werden sogar die Adressen mit veröffentlicht. So können Weihnachtsfans nach Sonnenuntergang vorbeifahren und die Lichtinstallationen bestaunen. Gerade an den Weihnachtstagen führt dies nachts gelegentlich zum Verkehrsstau vor besonders schönen Häusern.

Wer keinen Vorgarten hat, der schmückt statt dessen sein Auto, etwa mit kleinen Rentiergeweihen, die man in die Seitenscheiben klemmen kann. Alternativ sieht man auch gelegentlich die rote Nase von Rentier Rudolf, die dann vorne den Kühlergrill ziert.

Der Weihnachtskorb (Christmas Hamper)

Eine bemerkenswerte australische Tradition ist der Christmas Hamper, oder Weihnachtskorb. Hierbei schließt man einen Sparplan ab, der in 52 kleinen Wochenraten abbezahlt wird (etwa $13 / 10 Euro pro Woche), um an Weihnachten eine große Lieferung an Nahrungsmitteln zu bekommen, die die Familie durch die Weihnachtstage bringen soll.

Die Christmas Hamper kosten teils mehrere Hundert Dollar, und beinhalten je nach Anbieter und Zusammenstellung beispielsweise eine Auswahl von haltbaren Lebensmitteln wie Conflakes und löslichen Kaffee fürs Frühstück, den Christmas Ham (Kassler) fürs Mittagessen, Pralinen für den Nachmittag, Hühnchen fürs Abendessen und Knabbereien für danach.

Frisches Obst oder Gemüse ist hier normalerweise nicht dabei. Und ob die Preise für das Paket angemessen sind, ist schwierig zu ermitteln.

 

Bild: Fertiger Weihnachtskuchen aus dem Supermarkt.


 

Weihnachtsgebäck in Australien

Weihnachtsplätzchen werden in Australien nicht gebacken, dafür gibt es den Christmas Pudding, eine Art Kuchen, der eine lange Vorbereitungsphase hat: Die Grundlage des Christmas Puddings sind getrocknete Früchte, die täglich mit Alkohol (wie etwa Cognac) übergossen werden.

Das ganze Spiel wird dann täglich über den Verlauf einer Woche wiederholt (bei Ungeduldigen geht es schneller).

Der Christmas Pudding wird übrigens nicht gebacken, sondern im Wasserdampf erhitzt, was ebenfalls recht lange dauern kann. Serviert wird schließlich mit Karamel-Sauce oder einer anderen süßen Sauce.

 

Bild: Eischneekuchen mit Früchten aus dem "Cheesecake Shop".


 

Süße Torte zu Weihnachten

Eine beliebte weihnachtliche Alternative zum Christmas Pudding ist Pavlova. Das ist ein Kuchen, der eine Basis aus Zucker und Eischnee hat, dann mit Sahne bestrichen und mit Früchten belegt wird, wie etwa mit Kiwis, Erdbeeren und Blaubeeren.

Durch die weiße Farbe des Eischnees und die bunten Früchte sieht das Ganze sehr erfrischend aus, ist aber trotzdem noch ziemlich süß.

Wer überhaupt nicht backen mag, der kann auch Christmas Pudding und Pavlova fertig im Coles- oder Woolworths-Supermarkt kaufen. Aber das schmeckt dann lange nicht so gut wie ein selbst gemachter Kuchen.

Und wer in der Nähe eines Aldis lebt, der kann aus Deutschland Lebkuchen, Stollen und Marzipan kaufen, die in Australien ebenfalls ihre Abnehmer finden.


Bild: Auch Nutella gehört offenbar zu den "tollen Geschenken" – hier gesehen im Kaufhaus Myer.


 

Weihnachtslieder in Australien – Carols by Candlelight

Eine beliebte Tradition in Australien ist auch das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern, genannt "Carols by Candlelight" (Weihnachtslieder bei Kerzenlicht). Typischerweise wird dies im örtlichen Stadtpark abgehalten und ist vor allem bei kleineren Kindern sehr beliebt.

Eine große "Carols by Candlelight"  Veranstaltung findet etwa in Melbourne am 23. Dezember statt. Die Großveranstaltung wird mit dem nationalen Australischen Kinderchor (National Boys Choir of Australia ) und vielen Prominenten durchgeführt. Sie ist jedes Jahr ausverkauft und wird zudem landesweit im Fernsehen übertragen.

 

Bild: Socken für den Weihnachtsmann. Ob da wohl das neue iPhone reinpasst?


 

Countdown zum Weihnachtsfest

Australische Kinder müssen ein wenig mehr Geduld haben, bis sie ihre Geschenke auspacken können. Santa Claus kommt erst in der Nacht vom 24. (Christmas Eve) auf den 25. Dezember (Christmas Day), um die am Kamin aufgehängten Socken zu befüllen.

Daher können die Kinder erst morgens am 25. Dezember ihre Geschenke auspacken, während im Hintergrund leise die Klimaanlage summt und die Temperatur in der Wohnung auf 23 Grad herunterkühlt.


Bild: Weihnachten unter Palmen – gesehen in Cairns.


 

Das Weihnachtsmenü

Australier sind über viele Jahre hinweg von der Werbewirtschaft darauf trainiert worden, dass nur Rind, Schwein und Geflügel "genießbares" Fleisch bieten. So wird man selten Australier sehen, die sich für einen Wildschwein-, oder Hasenbraten begeistern können. Ein Wildgericht zu Weihnachten ist daher undenkbar.

Traditionell sieht man daher auf den Festtagstischen zumeist einen Truthahn, im ganzen im Backofen gebraten, oder einen "Ham", etwa vergleichbar mit einem gekochten Schinken, der im Backofen knusprig gebacken wird. Gemüse gibt es zwar auch dazu, aber das ist weniger von Belang.

Ebenfalls beliebt sind in Knoblauchöl eingelegte Prawns (Garnelen), die auf dem BBQ-Gasgrill kurz angebraten, und zusammen mit einem Salat und einem kalten Bier genossen werden.

 

(Bild: : Weihnachtsdekoration am Flinders St. Bahnhof in Melbourne)


 

Was machen Australier an Weihnachten?

Der 24. Dezember ist noch ein Arbeitstag, aber der 25. Dezember ist traditionell der Tag der Familie. Typischerweise haben alle Betriebe an diesem Tag geschlossen, und auch viele Restaurants haben geschlossen, weil die Australier wenigstens einen Tag im Jahr mit der Familie verbringen möchten.

Besonders schön ist hierbei, dass man sich hier nicht auf die engste Familie beschränkt, sondern auch gerne Freunde und deren Partner einlädt. So kommt es eher selten vor, dass Menschen einsam das Weihnachtsfest verbringen müssen.

Weihnachten am Pool und am Strand

Typischerweise sind die Straßen an 25. Dezember wie leer gefegt, weil sich die Australier entweder daheim in ihrem Garten aufhalten, wo Sie im um die 30 Grad warmen Pool feiern oder mit ihren Kindern Cricket spielen. Oder vielleicht, weil sie zusammen an den Strand gegangen sind.

In Sydney ist schon fast ein Muss, den 25. Dezember am Bondi Beach zu verbringen, eingeölt in viel Sonnencreme, mit einem kalten Bier für die Großen oder einer Solo (Zitronenlimo) für die Kleinen. Ähnliches gilt auch für andere Strandorte entlang der Ostküste Australiens.

Nicht zu vergessen ist auch, dass der 25. Dezember einer der längsten Tage im Jahr ist. Sogar in den Tropen im Norden Australiens ist fast bis 20 Uhr hell, sodass die Weihnachtsfeier bis in die Abendstunden verlängert wird.

 

Bild: Schaufenster bei Myer in Melbourne


 

Weihnachten in Melbourne

In Melbourne hat sich die Tradition eingebürgert, beim Kaufhaus Myers die bewegte und mit Weihnachtslieder untermalte Weihnachtsdekoration anzuschauen, die nicht nur bei kleinen Kindern Gefallen findet (siehe Foto oben).

Boxing Day – Der Weihnachtsschlussverkauf

Der 26. Dezember – auch genannt Boxing Day – ist in Australien für viele noch ein Feiertag. An diesem Tag haben alle Warenhäuser geöffnet, und es gibt einen speziellen Weihnachtsverkauf, der in etwa mit einem Sommerschluss-Verkauf vergleichbar ist.

Beim "Boxing Day Sale" wird dabei alles, was vom Weihnachtsgeschäft übrig ist, zu Schleuderpreisen verkauft. Dazu gehören etwa Bekleidung, Fernseher, Waschmaschinen, Matratzen und vieles mehr.

Der Boxing Day Sale ist ein Schlussverkauf mit Tradition, und ist daher bei vielen Australiern ein wichtiger Punkt im Weihnachtsprogramm.

So hört das Weihnachtsfest dann auf, wie die Weihnachtszeit begonnen hat – im Einkaufszentrum, das allerdings bei den heißen Sommertemperaturen eine angenehm gekühlte Zuflucht vor der heißen Sommersonne bietet.

 

 

 

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