Reisebericht: Outback-Tour im Geländewagen von Cairns nach Chillagoe (Seite 1 / 4)

Der 1. Tag unserer Geländewagen Reise bringt uns von Cairns über die Tablelands nach Dimbulah und schließlich nach Chillagoe, wo wir uns im kühlen Chillagoe Creek angenehm abkühlen. Abends erwartet uns dann ein Mondaufgang mit Vollmond.

Freitag, 6. April 2012

Abfahrt in Cairns

Nachdem die Regenzeit in Cairns in diesem Jahr schon recht frühzeitig zum 28. März dem sonnigen tropischen Herbst gewichen ist, wurde es Zeit, wieder einmal ein paar schöne Tage im Outback mit unserem Geländewagen zu verbringen.

Unsere Reise führt ins scheinbar leere "Niemandsland"  im äußersten Norden Queenslands, das schon zur Halbinsel Cape York gehört. Wir fahren nach Chillagoe, Einwohnerzahl: 227. Chillagoe ist eine historische Outback-Siedlung, die umgeben ist von trockenem Eukalyptus-Busch, staubigen Allrad-Pisten und malerischen Bächen. Uralte Tropfstein-Höhlen gibt es noch als Bonus mit dazu. 

Ein Geländewagen ist für die Strecke nicht dringend nötig, allerdings sind Teile der Straße nicht asphaltiert, was bei Mietwagen-Firmen nicht gern gesehen wird.

Vom Regenwald ins Outback

Von Cairns aus fahren wir hinauf durch die Regenwald-Passstraße über die Kuranda Range. Hinter dem Künstlerdorf Kuranda weicht dann der Regenwald fast ohne Übergang dem trockenen Bushland. Die Luftfeuchtigkeit sinkt – es ist nicht mehr so schwül – und das Thermometer steigt auf über 30 Grad.

Bis Mareeba fahren wir eine weitere halbe Stunde. Mareeba ist gewissermaßen der letzte Außenposten vor dem Outback. Hier sieht man  noch regen Verkehr auf den Straßen, und es gibt große Supermärkte für letzte Einkäufe. Am Stadtrand gibt es einen Parkplatz für Road Trains. Das sind Riesenlaster, die wie Ozeanriesen zu Lande mit bis zu drei Anhängern das Outback durchqueren, um Rinder und andere Großlasten zu transportieren.

 

Outback Straße zwischen Dimbulah und Chillagoe
Landstraße Straße zwischen Dimbulah und Chillagoe

 

Direkt hinter Mareeba wird es ruhig, und uns kommt nur selten ein Auto entgegen, fast immer sind es Geländewagen. Wir ziehen vorbei an vereinzelten Farmen, die umgeben sind von Zuckerrohr-Feldern, Mango-Bäumen und Kaffee-Plantagen. Hinter Dimbulah weichen die Plantagen den Cattle Stations (Rinderfarm), und der Gegenverkehr erweist sich oft als Vierbeinig. Die hiesigen Rinder, die von der Optik eher an Indische Kühe anmuten, leben nämlich halbwild auf nicht eingezäunten Farmen, die riesige Gebiete einnehmen.

Ein einsamer Bach im Outback von Queensland

Um die Mittagszeit machen wir Halt an einem Bach, dem man noch ansehen kann, dass er während der Regenzeit ansehnliche Wassermassen vor sich her geschoben haben muss. Eine Brücke gibt es aber trotzdem nicht, nur eine betonierte Furt. Wir parken am Seitenstreifen, gehen Barfuß im sandigen Flussbett auf Erkundungstour und kühlen unsere Füße im Bach. Außer uns ist niemand hier.

Hier und da sehen wir noch Spuren von Rindern, die nachts zum Trinken an den Bach kommen.

 

Outback-Bach mit Paperbarks

Outback-Bach mit Paperbark-Bäumen

 

Ankunft in Chillagoe

Unser Reiseziel Chillagoe erreichen wir nach fast genau drei Stunden Fahrzeit. Das Herz der historischen Outback-Siedlung besteht aus zwei Kneipen, einem Laden, der Grundschule und dem "Hub"- ein Mehrzweck-Bau mit Bürgeramt und Post. Im "Hub" werden auch Souvenirs sowie Eintrittskarten für  die Kalkstein-Höhlen im Chillagoe Nationalpark verkauft.

Wir fahren zu unserem "Basislager" für die nächsten Tage, dem Chillagoe Homestead. Das Haus ist traditionell mit einem Wellbechdach gedeckt und von einer schattigen Veranda umgeben, die auf natürliche Weise die Klimaanlage ersetzt. Die Besitzerin ist eine ältere Dame, die hier mit ihren zwei Hunden lebt und mit dem Stadtleben in Cairns und Umgebung wenig anfangen kann.

Es ist bereits Nachmittag, und wir packen unseren Proviant für ein verspätetes Mittagessen aus. Wir wären lieber in einen  der beiden Pubs im Dorf zum Mittagessen gegangen – immerhin hatten wir eine "Outback-Pub Tour" geplant. Aber da wir Karfreitag haben, sind alle Betriebe in dieser Gegend – mit Ausnahme der B&Bs und Campingplätze – zwangsweise geschlossen. Von den Einheimischen hören wir, dass es das Feiertagsgesetz erst seit ein paar Jahren gibt, und dass sich vor allem die Betriebe darüber ärgern, die vom Tourismus leben.

Das Homestead liegt am Ufer des Chillagoe Creek, der die Westgrenze des Ortes bildet. Wegen der Feiertage ist am Bach sehr viel los – viele Familien mit Kindern -, und wir suchen uns einen ruhigeren Platz direkt an den Stromschnellen in der Nähe des Ortszentrums. Hier haben wir den Bach für uns allein.

Da die Lufttemperatur über 30 Grad beträgt, kann man es im Wasser gut aushalten. Der Nachmittag vergeht wie im Flug, während wir uns von dem kräftigen Wasserstrom den Rücken massieren lassen, und die Ausblicke auf die weißen Marmor-Felsbrocken im Bach und die Paperbark-Bäume rundherum genießen, die so heißen, weil sie eine cremefarbige, sehr blättrige Rinde haben.

 

Chillagoe Creek - ein märchenhafter Bach.

Chillagoe Creek – märchenhafter Bach Marmor-Felsblöcken

 

Als die Sonne sich dem Horizont nähert, fahren wir über die Furt in Richtung Chillagoe Smelter, der ein paar Kilometer westlich des Ortes liegt. Im Licht des Outback-Sonnenuntergangs machen wir Fotos von den Ruinen, die als historisches Industrie-Denkmal geschützt sind. Die Überreste der Fabrik befinden sich auf einem flachen und überschaubaren Gelände. Unter unseren Füßen sehen wir glitzerndes schwarzes Gestein – wir stehen auf dem größten Schlacke-Berg Queenslands. Die Hügel um uns herum hingegen leuchten rostrot im Abendlicht.

Zwischen 1900 und 1943 wurden hier Kupfer, Silber, Blei und Gold abgebaut und verarbeitet – und damit Arbeitsplätze für mehrere Tausende Arbeiter geschaffen. Chillagoe war also einmal eine richtig große Stadt. Wo heute Einsamkeit und Stille herrscht, haben vor 70 Jahren noch Männer vor glühend heißen Schmelzöfen gearbeitet. Und dass, obwohl die Außentemperaturen in dieser Gegend oft über 40 Grad liegen, und die giftigen Bleidämpfe das Leben vieler Arbeiter bedenklich verkürzt haben.

(Foto dazu siehe oben im Titel)

Auf dem Rückweg zum Homestead geht gerade der Vollmond als beeindruckend dicke, weiße Scheibe vor uns auf, und wir müssen nochmal halten für ein Foto.

Vollmond in Chillagoe
Vollmond in Chillagoe

 

Der Abend klingt dann gemütlich mit einem Bier am Lagerfeuer aus, während über uns der Vollmond seine Bahn zieht. Das Schöne an Australien ist, dass zum Campen ein Lagerfeuer einfach dazu gehört  – und dass man dazu keine amtliche Genehmigung braucht!

Eigentlich wollte ich heute Abend "Damper" (australisches Brot) im Lagerfeuer backen, aber da ich das Mehl vergessen habe, muss das Experiment bis zum nächsten Outback-Trip warten. Schade!

 

Weiter mit dem Reisebericht geht es auf der nächsten Seite…

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