Reisebericht: Wildes Tasmanien – Unterwegs als Alleinreisende im Mietwagen (Seite 1 / 3)

Sleepy Bay im Freycinet NP Tasmanien
Sleepy Bay im Freycinet NP Tasmanien

Ist beim Abflug in Melbourne noch alles braun verbrannt, wirkt Tasmanien absolut grün dagegen. Der Landeanflug in Hobart ist spektakulär, man meint wirklich, dass die Flügel ins Wasser der Bucht greifen.

(Ein Reisebericht von Konny aus Lengerich)

Die Bargeldabhebung mittels Bankcard bei der Commonwealth Bank im Terminal in Hobart klappt ausgezeichnet.

Die Autoübernahme bei Redspot Sixt ist ebenso unproblematisch, bis zum 09.03. bin ich mit einem knallroten Holden Barina CDR Benziner mit exakt 52700 km auf dem Tacho unterwegs. Holden ist übrigens ein Ableger von General Motors und die einzige Automarke, die in Australien gebaut wird. Die Automatik habe ich nicht gebucht, aber das Auto hat sie.

Zum 7. Mal seit 1998 mache ich mich auf den Weg nach Australien. Bereits 2004 habe ich einige Teile von Tasmanien bereist, das gilt auch für Victoria, den zweiten Bundesstaat, mit dem ich mich nunmehr etwas intensiver beschäftigen werde.

Tasmanien ist die unter dem australischen Kontinent gelegene Insel in der Größe Irlands. Die Insel ist vom Kontinent aus am besten aus Victorias Hauptstadt Melbourne mit dem Flugzeug zu erreichen.

Tasmanien – mit die grüne Insel mit Teufeln und Gefängnissen

Tasmanien oder Van Diemens Land. Schon diese Doppelbezeichnung gibt einen Hinweis, dass hier nichts so ist wie es auf den ersten Blick scheint!

Gefängnis-Insel liest und hört man oft. Auch der tasmanische Teufel hat es mittlerweile zum Kultstatus gebracht. Allerdings ist da noch mehr, viel mehr… Hinter den Hochglanzfotos, und zwischen den Allgemeinfloskeln der Reisebroschüren verbirgt sich das wahre, schöne, wilde und manchmal grausame Tasmanien.

Unbändige Natur/Raubbau, attraktives Kunst- und Kulturleben/Genozid an der indigenen Bevölkerung, freundliche Menschen/unbewohnte Landstriche, sind nur einige wenige Beispiele, die zeigen, dass man hier mit Gegensätzen zu leben hat.

Wer im Urlaub mehr will als einen braunen Teint und durchzechte Nächte, wer bereit ist diese verschiedenen Schichten, die das tasmanische Leben ausmachen, behutsam zu wenden, wird eine unvergessliche Zeit auf Tasmanien verbringen.

Tasmanien – Australiens grüner Smaragd im Süden

2013 lebten auf Tasmanien laut amtlicher Statistik 514000 Einwohner. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 7,5 Einwohnern pro km². Heute gilt Tasmanien als Australiens grüner Smaragd im Süden – 45 % der Inselfläche sind als Nationalpark ausgewiesen, die teilweise zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, das macht ein Viertel der Insel aus.

Besonders eindrucksvoll sind die Landschaft am Cradle Mountain sowie die unberührte und teilweise schwer zugängliche Wildnis des Südwestens.

Tasmaniens Geschichte – Van Diemens Land

Etwa bis zum offiziellen Ende von Port Arthur als Sträflingskolonie 1854 hieß die Insel nach dem holländischen Seefahrer Van Diemens Land. Mit diesem Namen verband man aber auch einen schlechten Ruf als „üble Sträflingskolonie“ und „Höllenloch des Pazifik“ – vornehmlich wegen des heute nicht mehr in Betrieb befindlichen Gefängnisses in Port Arthur.

Die Insel wurde folglich umbenannt und trägt seitdem den Namen von Abel J. Tasman, dessen Expedition 1642 die Insel erreichte.

Tasmaniens Wetter – so wild wie die Insel selbst

„Four Seasons in one Day“ – der Song von Crowded House passt perfekt um Tasmaniens Klima zu beschreiben. Das Meer wirkt ausgleichend auf die Temperaturen – im Sommer ist es selten heiß, genauso wie die Winter selten extreme Kälte bringen. Tasmanien liegt auf demselben Breitengrad wie Rom und Barcelona, doch der Vergleich hinkt. Das Klima der Insel ist eher vergleichbar dem an der französischen Atlantikküste.

Die von Seeleuten gefürchteten Westwinde, die „Roaring Forties“ (donnernde Vierziger, benannt nach dem Breitengrad der
Region), sorgen dafür, dass Tasmanien zum reinen Wasser auch sehr saubere Luft hat.

Tasmanien und seine Menschen

Tasmanien (TAS) stellt mit seiner Bundeshauptstadt Hobart nicht nur ein Bundesland, sondern auch die größte Insel Australiens dar.

Ubertas et Fidelitas lautet das lateinische Motto, was in etwa mit Fruchtbarkeit und Treue zu übersetzen ist.

Die Einwohner tragen den Kosenamen Tasmanians und nennen ihre Heimat gerne Tassie. Weiterhin sind die Bezeichnungen Island of Inspiration, The Aple Isle oder Holiday Isle für die hübsche Insel bekannt. An diesen Spitznahmen des ehemaligen Van Diemen’s Land erkennt man bereits, dass eine faszinierende Welt voller traumhafter, wilder und abwechslungsreicher Landschaften darauf warten, entdeckt zu werden.

Tasmaniens Geographie

Gourmets loben vor allem die lokal erzeugten Köstlichkeiten, bei denen besonders Wein, Bier und Käse hervorstechen. Die wilde Meerenge der Bass Strait trennt Tasmanien vom Festland des roten Kontinents. Im Westen erstrecken sich die unendlich wirkenden Weiten des Indischen Ozeans und im Osten liegt die zum Pazifischen Ozean gehörende Tasman Sea. Von Norden nach Süden misst die überschaubare Insel 364 Kilometer und von Westen nach Osten 305 Kilometer. Weiterhin ergeben die 69401 km² Land- und 22357 km² Wasserareale zusammen weniger als 1% der Gesamtfläche Australiens.

Angekommen in Hobart, Tasmanien

(29.02.16) Die Fahrt vom Flughafen Hobart lässt mich schon nach wenigen Kilometern in Sorell bei Woolworth einfallen, schließlich muss ich auch essen und einen Chardonney erwerbe ich im Bottle Shop gleich mit.

Die Straße führt Richtung Port Arthur sehr kurvenreich durch Eukalyptuswälder in allen möglichen Stadien. Zwischendurch blitzen immer wieder traumhafte Buchten durch das Unterholz. Das Auto hat zwar Klimaanlage, aber bei mehr als 25°C komme ich doch ins Schwitzen

Übernachtung in Taranna

Rund 60 km sind es bis Taranna, meiner ersten Übernachtungsstation. Hier habe ich wie schon so oft ein Cottage gemietet, Schlafzimmer, Wohnraum mit offenem Kamin, Küche mit Sitzecke und natürlich Bad, alles gelegen unter mächtigen Eukalyptusbäumen. Einzig Internet ist nicht vorhanden.

Port Arthur – ein Gefängnis mit düsterer Vergangenheit

(01.03.2016) Da ich mit dem Komplex Historic Site Port Arthur etwas überfordert bin, buche ich direkt bei der Rezeption die Ghost Tour.

Danach zieht es mich zur Remarkable Cave. Zunächst habe ich von Palmers Lookout einen schönen Blick
auf die Port Arthur Bay. Direkt daneben liegt die ca. 100 m lange Grotte Remarkable Cave.
Das Durchlaufen bei Ebbe ist im Gegensatz zur Reiseführerempfehlung nicht mehr erlaubt.

Die Geschichte von Port Arthur (Unesco Welterbe)

Die Sträflingssiedlung Port Arthur auf der Halbinsel Tasman Peninsula wurde 1830 durch den damaligen Gouverneur George Arthur gegründet. Von 1832 bis zu seiner Schließung 1877 war Port Arthur die Endstation für die schlimmsten Verbrecher der Kolonie. Mehrere Buschfeuer zerstörten in den folgenden zwei Jahrzehnten viele Gebäude, die aus der Sträflingszeit übrig geblieben waren.

1979 erkannten die australische Bundesregierung und die Regierung Tasmaniens Port Arthur als historische Stätte von nationaler Bedeutung an und investierten 9 Millionen Dollar in das Restaurierungsprojekt. Auf dem großen Gelände können die imposanten Reste der ehemaligen Sträflingssiedlung Port Arthur besichtigt werden.

Ghost Tour zur schaurigen "Insel der Toten“

Auf dem Gelände stehen mehr als 60 Gebäude. Einige von ihnen wurden restauriert, während von anderen nur Ruinen
erhalten sind. Mitten in der Bucht von Port Arthur liegt die „Insel der Toten“, der Friedhof der Sträflingssiedlung. Sträflinge, die den unerbittlichen Drill nicht überlebten, wurden hier in anonymen mehrstöckigen Massengräbern begraben, zwischen 1831 und 1877 fast 2000 Menschen.

Gefängnisaufseher und Militärangehörige bekamen ein Einzelgrab mit Grabstein.
Da mir die ganze Geschichte rund um die Gefangenenlager in Port Arthur ohnehin nicht geheuer ist, werde ich ganz mutig und begebe mich auf die Ghost Tour um 20:30 h.

Unheimlich ist das schon, was der Guide da so alles von sich gibt mit Schrittgeräuschen usw.. Danach reicht es mir und ich freue mich darauf, endlich wieder in der Waagerechten schlafen zu können.

Wetter: bewölkt, 25°C und auch mehr
Gefahrene km: 127

Unterwegs von Taranna nach Coles Bay

(02.03.2016) Nach der Ghost Tour in Port Arthur starte ich meine 2. Fahrt in die australische Nacht, allerdings eher mit einem mulmigen Gefühl, denn mit einem Kangaroo zusammen zu stoßen, danach steht mir der Sinn überhaupt nicht.

Ich bin auf dem Weg nach Bicheno, dort findet abends immer das Spektakel der anlandenden Pinguine statt. Aus Naturschutzgründen herrscht striktes Fotografier- und Filmverbot. Daran halten sich sogar die Asiaten, allerdings nicht, ohne alle 5 Minuten nervös das Handy zu inspizieren, um ja nichts zu verpassen.

Die wilden Pinguine von Bicheno

Es sind Fairy Pinguine, ca. 38 cm groß, die sich hier nach dem Dunkelwerden aus der See an Land quälen, nachdem sie den ganzen Tag auf Nahrungssuche waren. 2 Stunden vor der Dämmerung wandern sie zurück ins Meer.

Die Mauser steht kurz bevor und dementsprechend gerupft sehen sie bereits aus. Das dunkle Federkleid hat einen Touch ins bläuliche.

Alle sind kugelrund, da sie während der Mauser nicht ins Wasser können und sich ein entsprechendes Polster angefressen haben; die Mauser dauert rund 15 Tage. Üblicherweise sondert der Pinguinkörper ein Sekret ab, was die Tiere in den Federn verteilen um diese wasserdicht zu machen. Mit den Mauserfedern geht das nicht, da diese an den Pinguinen aussehen wie gerupfte Hühner.

Das Familienleben der Tasmanischen Pinguine

Sie leben übrigens nicht monogam, rund 20 % wechseln nach der Aufzucht der Jungen ihre Partner. Jedes Paar hat maximal 2 Eier im Nest, die Weibchen hüten diese und die Männchen gehen auf Nahrungssuche und füttern die Weibchen und später auch die Jungen.

Diese werden irgendwann nach guten 6 Monaten ihrem Schicksal überlassen. Also eigentlich Rabeneltern, die Jungen müssen sich alles, einschließlich des Weges zum Wasser, abschauen.

Irgendwann, wenn der Hunger zu groß wird, folgen sie einem Artgenossen.

Zum Schluss der Tour gibt es eine Emailadresse, über die man Fotos von Pinguinen abrufen kann, da sage ich natürlich nicht nein.

Wetter: wolkig, bis 32°Grad
Gefahrene km: 383

Der Wineglass Bay Walk, Coles Bay

(03.03.2016) Die Wineglass Bay auf der tasmanischen Freycinet Peninsula gilt als einer der zehn schönsten Strände der Welt.

Der von saphirblauem Meereswasser umspülte halbmondförmige Strand aus perlweißem Sand vor der Kulisse rosafarbener und grauer Granitfelsen zählt zu den überwältigendsten Naturregionen Australiens.

Ihren Ruf als einer der zehn schönsten Strände weltweit verdankt die Wineglass Bay dem nahezu perfekten Halbmond aus perlweißem Sand und türkisfarbenem Wasser.

Um den Scharen von Touristen zu entgehen, bin ich schon um 8:30 h auf dem Track zur Wineglass Bay unterwegs. Dank des bereits zu Hause erworbenen Tasmanian National Park Pass kann ich mir die 24 AUD$ Eintritt sparen.

Der Weg zum Wineglass Bay Lookout führt kontinuierlich aufwärts und ist sogar für die frühe Stunde bereits schweißtreibend. Am Lookout stehe ich an einem der bekanntesten Aussichtspunkte Tasmaniens mit einem atemberaubenden Blick über die Bay.

Die Ähnlichkeit mit dem sanft geschwungenen Rund eines Weinglases ist nicht zu verleugnen.

Am Lookout zweigt der direkte Abstieg zur Bay ab, dieser gleicht einer Gemsensteige mit den vielen Felsen und wirklich steilen Abschnitten. Beim Gedanken daran, hier wieder hoch zu müssen, graust es mich.

Der Sand in der Wineglass Bay ist fast weiß, die Brandung in Abschnitten atemberaubend, wie auch der ganze Anblick auf die Bucht.

Mein Selbstbewusstsein erfährt einen ziemlichen Knacks, als ich über meine Füße stolpere und auf meinen Allerwertesten im Sand lande. Sofort ist eine nette australische Dame an meiner Seite, aber siehe vor.

Glücklicherweise ist beiden Kameras nichts passiert, obwohl ich sie in den Händen hatte, das wär’s jetzt gewesen, der nagelneue Camcorder durch Sand zerstört.


Foto: Hazards Beach, Freycinet N.P.


 

Nach intensivem Studium der überall angebrachten Übersichtstafeln mit entsprechenden Erläuterungen entschließe ich mich zum Erwandern des Wineglass Bay-Hazards Beach circuit, der mich zurück zum Parkplatz bringt.

Über den Isthmus Track laufe ich zu Hazards Beach, ein sehr einsamer, aber auch wunderschöner Sandstrand. Rund um den Mount Mayson führt der Track immer in Sichtweite der Küste. Nach 11 km erreiche ich wieder das Auto.

Im Visitor Centre versorge ich mich nachblickend mit einem Prospekt und werde auch gleich fündig. Es gibt einen Abzweig zum Cape Tourville Lighthouse und zur Sleepy Bay. Jeweils kurze Strecken per pedes, sogar nur in Sandalen im Gegensatz zur großen Wanderung, die natürlich mit Trekkingstiefeln, bescheren mir nochmals traumhafte Ausblicke.

Insgesamt rund 15 km Wanderung reichen nun nach meiner Meinung.

Wetter: wolkig, leicht windig, bis 25°Grad

Gefahrene km: 26


Foto: Sleepy Bay, Freycinet N.P.


 

Von Coles Bay nach Launceston

(04.03.2016) Am Morgen beim Duschen stelle ich fest, dass ich an allen möglichen und unmöglichen Stellen von Moskitos zerstochen bin.

Die werden hier ab Dunkelheit und auch wenn sie Schweiß riechen, äußerst aggressiv, und davon gab es gestern mehr als genug bei mir, nicht umsonst klebte dieser als Salz im Gesicht. Zum Glück jucken die Stellen nicht, da es fast nur unter der Kleidung ist, stört mich das nicht weiter und geht auch wieder vorbei.

In Coles Bay tanke ich zum ersten Mal, das Auto hat sich 7,6 ltr/100 km erlaubt. Übrigens gibt es hier wieder nur 3 Spritsorten, normal 91 Oktan, normal plus 95 Oktan und Diesel, der Preis liegt zwischen 1,15 – 1,22 AUD$, je nachdem wo man gerade tankt.

Preisunterschiede zwischen Normal und Diesel konnte ich nicht feststellen; der Dollar liegt bei 0,70 €.

Der Weg führt mich zunächst zurück Richtung Hobart und dabei fällt mir erneut auf, wie vielfältig die Nahrungsangebote am Straßenrand lauten. Die Weingüter reihen sich wie Perlen an der Schnur, teils liegen noch die Netze über den Rebstöcken, zum Zeichen, dass diese noch nicht abgeerntet sind.

Viele Weingüter haben auch Olivenbäume gepflanzt und bieten z.B. natives Olivenöl oder die Oliven direkt an.

Dann wieder gibt es Walnussfarmen; die Austern und Hummer an der Küste hatte ich bereits erwähnt.

Irgendwo im Nirgendwo zweigt die Straße ab Richtung Campbell Town und weiter Richtung Launceston. Hier ist wohl mehr Viehzucht angesagt, es gibt viele Schafe, die aber alle etwas gerupft aussehen nach der Schur, sowie Angus Rinder. Immer wieder kommen lange Abschnitte mit Eukalyptuswäldern.

An einer Koppel entdecke ich einen großen Schwarm weißer Kakadus, kann aber leider nicht anhalten.

Weiter mit Launceston und den Köstlichkeiten des Tamar Valley geht es auf der > nächsten Seite….

(Visited 14 times, 1 visits today)

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*