Reisebericht: Wildes Tasmanien – Unterwegs als Alleinreisende im Mietwagen (Seite 3 / 3)

Nelson Falls, Tasmanien
Nelson Falls, Tasmanien

Von Strahan an Tasmaniens Westküste aus geht es mit der West Coast Wilderness Railway in historische Minenstädte, danach zu den Nelson Falls Wasserfällen und schließlich zum Aussichtspunkt am Donaghies Lookout.

(Ein Reisebericht von Konny aus Lengerich)

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Eine bemerkenswerte Nacht in Strahan

07.03.2016 (Montag) Was für eine Nacht, am Abend checkt eine Gruppe Chinesen ein. Grüßen können sie nicht, und dann putzt sich einer nach dem anderen im Küchenwaschbecken die Zähne. Saubermachen ist auch nicht angesagt.

In der Nacht werde ich gegen 3 h wach, und das war es mit Schlaf. Die Herrschaften fangen mitten in der Nacht an zu kochen, und das zieht sich bis 7 h. So früh muss ich heute ohnehin aufstehen. Dementsprechend müde bin ich im Laufe des Tages.

Unterwegs mit der West Coast Wilderness Railway

Die West Coast Wilderness Railway ist eine wiederhergestellte Zahnrad-Schmalspurbahn auf der Trasse der Mount Lyell Mining and Railway Company zwischen Queenstown und Regatta Point bei Strahan in Tasmanien.


Foto: West Coast Wilderness Railway, Strahan


Die Geschichte der Museums-Eisenbahn

Die Mount Lyell Mining Co wurde im November 1892 gegründet und am 29. März 1893 in Mount Lyell Mining and Railway Company umfirmiert. Die erste Teilstrecke der Eisenbahn wurde 1897 offiziell eröffnet und die zweite Teilstrecke von Teepookana zum Regatta Point bei Strahan am 1. November 1899.

Die Eisenbahn bot die einzige Möglichkeit, Kupfer aus dem Bergwerk in Queenstown zu vermarkten. Bis 1932, als die Straße nach Hobart fertiggestellt wurde, war sie die einzige Zufahrt nach Queenstown.

Die 34,5 km lange Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 1067 mm (3 Fuß 6 Zoll) benutzte auf den Steilstrecken das von Carl Roman Abt entwickelte Zahnstangensystem Abt. Das stärkste Gefälle war 1 m in 15 m (66,7‰). Deshalb war das Gesamtgewicht der Züge von Anfang an begrenzt. Übrigens wird das System Abt auch bei der Brockenbahn im Harz eingesetzt.

Widergeburt als "Wildnis-Eisenbahn"

Trotz einiger seit 1963 geäußerter Vorschläge, dauerte es bis in die 1990iger Jahre, dass einige enthusiastische Bewohner der Westküste eine Kampagne für die Wiederherstellung der Zahnradbahn zur Erhaltung des Geschichtserbes und als Touristenattraktion starteten.

Dieser Eisenbahn ist mein heutiger Tag gewidmet.

Abfahrt in Strahan

Meine Buchung für die Ganztagestour Queenstown Explorer Wilderness Carriage habe ich bereits von zu Hause platziert.

Um 8:30 h fährt der Zug an der Regatta Point Station in Strahan ab. Meine Email-Buchungsbestätigung muss ich noch in eine Fahrkarte eintauschen, dabei erhalte ich ein Ticket mit Namensaufdruck und genauer Platzzuweisung.

In den altertümlichen Waggons gibt es 4er-Sitzgruppen, mein Platz ist am Fenster bei einem Ehepaar aus Melbourne mit Mutter. Im Laufe des Tages entwickeln sich nette Gespräche.

Pro Waggon gibt es eine Betreuung. Diese frage ich als erstes, ob die Möglichkeit besteht, auf der Lok mitzufahren, das wird nicht gleich abgelehnt.

Getränke wie Wasser, Kaffee, Tee und Kakao kosten nichts, für alle anderen Getränke ist ein moderates Entgelt fällig.

Die Lok ist ölbetrieben und wird heute gefahren von Allie, einer Frau, und AJ, dem gestandenen Lokführer.

Gute Verpflegung in der West Coast Wilderness Railway

Kaum sind wir gestartet, gibt es mit Lachs belegte Appetithäppchen.

Unterwegs sind diverse Stopps an Haltepunkten vorgesehen, vor allem auch, um die Lok mit Wasser zu versorgen. Unseren 3 Waggons, die übrigens ausgebucht sind, ist eine Lok vorgespannt, die in Schottland gebaut wurde.

Man hat Gelegenheit z.B. Honig zu probieren/kaufen, einem Pfad durch den Regenwald zu folgen usw.. Die Aufenthalte belaufen sich auf max. 20 Minuten.

Zwischendurch gibt es noch Scones mit Marmelade und Sahne sowie einem Heißgetränk nach Wahl.

Minenstadt Queenstown

In unserem Zielort Queenstown gibt es eine Pause von 2 Stunden.

Seit 1881 wird in den Bergen von Queenstown Zinn und Kupfer abgebaut. Kahlgefressene Hügel und Bergrücken bestimmen die Landschaftsszenerie, das Wiederaufforstungsprogramm ist erst wenige Jahre jung.

Zum Mittagessen werden 2 schmackhafte Suppen angeboten, als Hauptgerichte gibt es Lachs, Lamm, Geflügel-Curry und ein vegetarisches Gericht, dazu Reis, Cannelloni, Kartoffelsalat sowie diverse grüne Salate, als Dessert wird Obstsalat gereicht.

Pappsatt rollen wir zur inkludierten Heritage Tour durch Queenstown. Danach wird die Rückfahrt angetreten.

Regenwald pur an Tasmanies Westküste

Wieder geht die Fahrt durch Regenwald pur, unterbrochen von tiefen Schluchten. Ab der Station Lynchford bis zur nächsten Station darf ich auf die Lok. Es ist sehr eng und vor allem sehr heiß.

Die beiden Lokführer erklären mir alles und ich darf die Dampfpfeife als Abfahrsignal betätigen.

Allein kann man die Lok nicht bewegen, dazu braucht es wirklich 2 Leute und die sind gut beschäftigt, das wird mir schnell klar.

Wir erklimmen in Schrittgeschwindigkeit den höchsten Punkt der Strecke, insgesamt sind es übrigens rund 34 km.

Nassgeschwitzt zurück im Waggon gibt es bereits in Form einer Käseplatte mit Früchten den nächsten Snack.

Zeit für Postkarten in die Heimat

Gut angenommen wird die Verteilung einer Postkarte mit Kugelschreiber, die man zu Lasten der WCWR weltweit verschicken kann.

Zwischendurch sowohl auf dem Hin- wie auf dem Rückweg besteht die Möglichkeit, auf der Außenplattform zu stehen, dabei sollte man aber möglichst alle Körperteile drinnen lassen, so eng ist teils der Weg der Eisenbahn.

Kurz vor Strahan (ausgesprochen Strown) gibt es noch 2 Happen Kuchen.

Der ausgegebene Zettel zur Beurteilung der Tour dürfte kaum oder keine Negativpunkte aufweisen. Zurück am Regatta Point ist allgemeines Verabschieden angesagt und jeder geht seiner Wege.

Wetter: sonnig, bewölkt, bis 20° C

Gefahrene km: 6

Fahrt von Strahan nach Hobart

08.03.2016 (Dienstag) Da ich heute etliche Kilometer vor mir habe, bin ich erneut früh beim Frühstück. Hier muss ich vor Ort meine Übernachtung bezahlen.

Auf einem Hinweisschild habe ich gelesen, dass es pro Nacht 10 AUD$ Ermäßigung gibt, wenn man bar bezahlt. Daher habe ich mir in Queenstown am ATM der Commonwealth Bank das entsprechende Bargeld besorgt.

Gestern Abend bin ich etwas versackt mit einigen anderen Gästen, aber es waren nette Gespräche und mein Englisch kommt immer mehr in Fahrt.

Die Feinheiten der australischen Kultur

Ins Gespräch kamen wir über die Fernsehwerbung. Die Schokoladenfabrik Cadbury setzt einen lilafarbenen Osterhasen mit Kiepe ein, der von Garten zu Garten hoppelt und diverse Schokopräsente hinterlässt.

Zum Schluss verschwindet er hinter einer ebenfalls lilafarbenen Hobbiteingangstür, die aussieht wie die von Frodo Beutlin; das hat mich massiv zum Lachen gebracht.

Was mir hier im Westküstenbereich besonders auffällt, das sind die vielen Motorradfahrer, die wie in Deutschland die Serpentinen und Spitzkehren nutzen.

Dabei ist es genau wie bei uns, leider so in Schräglage, dass man schon zur Seite ausweichen muss, um sie nicht einen Kopf kürzer zu machen. Viele haben dreirädrige Anhänger an die Maschine angedockt, vermutlich für das Gepäck.

Wanderung zu den Nelson Falls

Ich fahre nochmals durch Queenstown und dann geht es hoch in die Berge, der Bewuchs hat schon längst aufgehört.

Mein erstes heutiges Ziel sind die Nelson Falls, die ich nach einem 20minütigen Marsch durch Regenwald erreiche. Die Wasserfälle erinnern mich stark an die Wentworth Falls in den Blue Mountains in New South Wales.


 

Foto: Nelson Falls


 

Wanderung zum Donaghys Hill

Mein nächstes Etappenziel beginnt mit einer 40minütigen Wanderung ziemlich steil bergauf zu Donaghys Hill, dort bietet sich eine fast 360 Grad Rundumsicht.

Belohnt werde ich dabei von einem intensiven Geruch nach Zitronen, leider kann ich nicht zuordnen, von welchem der vielen Büsche/Bäume der Geruch ausgeht.

Überall stehen mittlerweile Bienenkästen, der tasmanische Honig ist ausgezeichnet und wird weltweit verkauft, nur wir kriegen mal wieder nichts ab.

Ein Stück Schottland in Tasmanien

Ich erreiche die tasmanischen Highlands mit dem Lake Distrikt, beides wohl namenstechnisch in Schottland entliehen, ich komme sogar durch einen Ort namens Gretna Green.

Mittlerweile ist deutlich zu erkennen, dass die Westküste hinsichtlich des Regens der Ostküste leer ausgegangen ist, so verbrannt wie die ganzen Hügel aussehen. Die Straße führt fast konstant durch den National Park mit dem schönen Namen Franklin-Gordon-Wild-Rivers.

Vereinzelt ist zu erkennen, dass es hier noch vor wenigen Wochen Buschbrände gegeben hat. Leider ist dabei im für Touristen nicht zugänglichen Teil ein großer Bereich Regenwald unwiederbringlich zerstört worden.

Im Lake Distrikt häufen sich die Wasserwerk- und Umspannstationen. Riesige Überlandleitungen verlaufen überwiegend gen Süden und versorgen vermutlich die Region um Hobart mit Strom.

Ein Café in Tarraleah

Irgendwo im Nirgendwo finde ich ein Hinweis auf einen Abzweig in einen Ort mit dem schönen Namen Tarraleah, vor allem die Werbung für ein Café hat es mir angetan, ein Flat White wäre nicht zu verachten.

Das komplette Kaff hat vielleicht 50 Häuser, aber das Café ist proppenvoll. Ich bestelle meinen Flat White und ein Stück Apfelkuchen; das ist eine meiner besseren Entscheidungen. Das ist mehr Apfel als Kuchen und schmeckt einfach nur genial.

Nicht so schön ist, dass mir auf der Damentoilette aus der Nachbarkabine ein Mann entgegen kommt, meinen Hinweis auf „female“ wischt er mit der Bemerkung zur Seite, „er hätte Druck gehabt, dabei würde er nicht auf solche Kleinigkeiten achten“. Hätte er A…loch verstanden, ich hätte es ihm hinterher gerufen.

Die Einsamkeit Tasmaniens

Weiter geht die Fahrt durch die Einsamkeit und siehe da, es gibt auch Nadelgehölze von enormer Höhe in diesem Teil Tasmaniens, aber nur, um kurze Zeit später von Eukylypten von 30 m Höhe und mehr abgelöst zu werden.

Welche von den mehr als 600 Arten sich genau hier tummeln, dazu fehlen mir die Grundlagen.

Der Friedhof von New Norfolk

In New Norfolk komme ich an einem Friedhof vorbei und bin begeistert, soweit man das bei einem Friedhof sein kann. Auf wirklich jedem Grab liegen mehrere Sträuße von Schnittblumen.

Hier versucht auch das Navi mich zum ersten Mal in die Irre zu führen, um bereits nach rund 500 m den Fehler einzugestehen und erneut lotst es mich auf eine Nebenstraße, von der ich zunächst annehme, dass das wirklich falsch ist.

Aber je weiter ich fahre, desto begeisterter bin ich. Es geht mal wieder steil bergauf, Höchstgeschwindigkeit 60 km/h, mittendrin eine Primary School (Grundschule) und die Aussichten nach jeder Kurve nur genial, aber Anhalten wäre tödlich.

Checkin im Hotel

Gegen 3 h schlage ich in meinem Hotel mitten an einer Hauptverkehrsstraße auf. Vom Zimmer bin ich mehr als angenehm überrascht, vor allem gibt es hier wieder „anständiges Internet“ und ich kann diversen Verpflichtungen diesbezüglich nachkommen.

Leider gibt es keine Hotelwäscherei, aber um die Ecke ist eine Wäscherei. Also mache ich mich auf den Weg und nehme zum Zeitvertreib den Ebook-Reader mit, nur um ihn in der Waschmaschine zu versenken; im letzten Moment merke ich es, zum Glück.

Für 12 AUD$ ist alles sauber incl. Trocknung. Ein Bügeleisen nebst Bügelbrett habe ich auf dem Zimmer.

Da ich das Auto vollgetankt abgeben muss, ist das eine meiner letzten Handlungen, bevor ich das Hotelzimmer verwüste mit Wäsche und „ordentlichem“ Packen der Tasche, die muss Morgen schließlich in den Flieger.

Ankunft in Hobart

Hobarts Lage ist beneidenswert: am Fuß des Mount Wellington (1271 m), 20 km stromaufwärts der Mündung des buchtenreichen Derwent Rivers – an einem der schönsten Naturhäfen der Welt.

Die Hauptstadt des Bundesstaates Tasmanien ist ein Geschäfts- und Finanzzentrum mit gutbürgerlich-liebenswertem Flair. Die Restauration des Altstadtdistrikts Battery Point hat der Stadt ihr historisches Herz zurückgegeben.

140 Millionen $AUD sollen möglichst schnell in das Projekt Oceanport Hobart fließen, um die Stadt und ihr Hafengebiet noch attraktiver zu machen.

Kultur-Highlight: Das Sydney – Hobart Rennen

Am aufgeregtesten sind die Einwohner in der Regel am 29. Dezember. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, wenn im Hafen von Hobart voller Spannung der Sieger der Hochseeregatta Sydney – Hobart erwartet wird.

Mein Ausflug auf den Mount Wellington fällt dem Wetter anheim. Die ganze Zeit hatte ich bereits die dunklen Wolken über dem Berg verfolgt Als ich aus dem Supermarkt komme, ist nur noch Regen angesagt.

Wetter: bewölkt mit sonnigen Abschnitten, 16 – 24°C, ab 18 h Regen Gefahrene km: 301

Abschied von Tasmanien

09.03.2016 (Mittwoch) Es vergeht noch eine geraume Zeit bis ich zum Schlafen komme, dabei ist der Wecker schon für 5:45 h gestellt. In aller Ruhe mache ich mir mein Frühstück, nutze ausgiebig die Dusche und packe das Auto ein letztes Mal.

Die Flughafenadresse hatte ich bereits am Vorabend ins Navi gefüttert. Es regnet heftig und das macht die Fahrt im Dunklen nicht gerade angenehm, wobei auch noch überall die Schilder auf „Wildlife till dusk and dawn“ hinweisen. Ohne Navi hätte ich erhebliche Probleme bekommen, den Weg zum Flughafen zu finden.

Auf einer riesigen Brücke passiere ich parallel zu der großen Bogenbrücke den Derwent River. Es sind rund 30 km zum Flughafen, irgendwann beginnt die recht gute Beschilderung.

Mietwagen-Rückgabe am Flughafen Hobart

Leider ist zwar die Autorückgabe gut beschildert, aber nicht die Boxen von Redspot Sixt so dass ich zunächst bei Avis lande. Den Schlüssel gebe ich im Büro ab und verweise vorsorglich darauf, dass die Gummikante am Frontspoiler wiederholt bei Grundstücksausfahrten Kontakt zur Straße hatte.

Da ich aber eine all inclusive Miete habe, tangiert mich das eigentlich nur peripher.

Insgesamt habe ich 1457 km auf Tasmaniens Straßen zurückgelegt.

Weiterflug nach Melbourne

Am Flughafen ist es noch zu früh, um bei Qantas für den Flug QF 1502, Boing 717, 10:10 h nach Melbourne einzuchecken.

Meine Tasche wiegt 21,7 kg und die Wasserflasche am Rucksack darf ich gefüllt mitnehmen; das ist auf australischen Inlandsflügen erlaubt.

Endlich habe ich danach die Zeit und Ruhe, Postkarten zu kaufen. Goodbye Tasmania, Victoria ich komme.

Der Flug verlässt Hobart mit ½ Stunde Verspätung, entsprechend erreichen wir Melbourne ein bisschen später.

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