Reisetipps für verpasste Anschlussflüge: Richtig verhalten und Rechte durchsetzen

Qantas Flugzeuge Australien
Qantas Flugzeuge Australien

Manchmal passiert es einfach – der Flug nach Australien ist stundenlang verspätet. Was man tun kann, wenn der Flieger mit mehr als 3 Stunden Verspätung ankommt, lesen Sie in diesem Artikel.

Ein Flug nach Australien wird durch einen Zwischenstopp deutlich angenehmer. Die Unterbrechung der Flugzeit von etwa 22 bis 24 Stunden zwischen Deutschland und Down Under ist eine willkommene Abwechslung und mindert die Auswirkungen des Jetlags. In der Regel beträgt die erste Etappe rund zwölf Stunden, nach der Zwischenlandung folgen zehn weitere Flugstunden.

Wird der Anschlussflug jedoch verpasst, kommen auf Reisende einige Herausforderungen zu. Nachfolgend Tipps, wie man sich richtig verhält und seine Rechte durchsetzt.

 

Informatives zur EU-Fluggastrechteverordnung

Um die Rechte von europäischen Flugpassagieren zu stärken, haben Europäisches Parlament und Rat die EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 verabschiedet. Verschuldet eine Fluggesellschaft eine Verspätung, wodurch der Fluggast mindestens drei Stunden zu spät an seinem Endziel der Reise ankommt, muss die Fluggesellschaft Ausgleichszahlungen leisten. Dessen Höhe hängt von der Flugstrecke ab.

Bei Langstreckenflügen (ab 3.500 Kilometer) beträgt die Entschädigung 600 Euro pro Person. Aufgrund der immensen Entfernung zwischen Deutschland und Australien können Reisende diesen Betrag verlangen. Zwischen Sidney und Frankfurt beträgt die Entfernung Luftlinie beispielsweise bereits über 16.500 Kilometer.

 

Der Zubringerflug entscheidet über Ansprüche

Ob der Anschlussflug selbst mit Verspätung abhebt, ist nicht relevant. Entscheidend für den Anspruch auf Entschädigung ist, dass der Zubringerflug der Fluggastrechteverordnung unterliegt. Damit das gewährleistet ist, muss das Flugzeug innerhalb der EU starten oder landen.

Fliegt ein Urlauber beispielsweise von Frankfurt nach London und ab London nach Sydney, unterliegt der Zubringerflug nach London der EU-Fluggastrechteverordnung, weil er in Europa startet. Ob die Airline ihren Sitz in Europa hat oder nicht, spielt dann keine Rolle. Anders verhält es sich, wenn der Flug nur in Europa landet. Dann muss die Fluggesellschaft ihren Sitz in Europa haben.

Die Reiserechtsexperten von Flightright unterstützen Fluggäste bei der Durchsetzung von Ansprüchen laut EU-Verordnung und haben die Rechte bei einem verpassten Anschlussflug online zusammengefasst. Dabei wird auf einen wesentlichen Faktor aufmerksam gemacht: Die Buchung.

„Haben Fluggäste Zubringer- und Anschlussflüge einzeln gebucht und verpassen ihren Anschlussflug aufgrund einer Verspätung, können diese keine Entschädigung für die Gesamtstrecke verlangen und haben außerdem keinen Anspruch auf die Organisation eines Ersatztransports für den Anschlussflug“, heißt es im Ratgeber des Verbraucherportals.

Ob die Flüge auf dem Weg nach Australien von unterschiedlichen Fluggesellschaften durchgeführt wurden, spiele keine Rolle. Wichtig sei aber, dass sämtliche Flüge, ob Zubringerflug oder zum Endziel, Teil eines gemeinsam gebuchten Flugplans sind. Dann besteht nicht nur Anspruch auf Entschädigung, sondern auch auf einen umgehenden Ersatztransport.

Flug nach Australien verspätet

[Foto: Flughafen Cairns, Australien]

 

Fluglinien nach Australien im Fokus

Typische Stopover-Destinationen auf einer Flugreise nach Australien sind Dubai, Bangkok, Hongkong und Singapur.

Aber auch Abu Dhabi, London oder Incheon in Südkorea sind denkbare Zwischenziele. Hier als Beispiel einige Flugverbindungen beliebter Fluggesellschaften mit einem Stopover:

Fluggesellschaft

Abflug

Stopover

Ziel

Qantas (Sitz in Australien)

London

Dubai

Sydney

Emirates (Sitz Dubai)

Frankfurt

Dubai

Sydney

Singapore Airline (Sitz Singapur)

München

Singapur

Melbourne

British Airways (London)

Düsseldorf

London

Sydney

Korean Air (Südkorea)

Frankfurt

Incheon

Brisbane

Wie bereits erklärt, würde jeder der verpassten Anschlussflüge, egal ob Dubai / Sydney, London / Sydney oder Incheon / Brisbane der EU-Fluggastrechteverordnung unterliegen, solange alle Flüge im Rahmen eines gemeinsamen Flugplans gebucht wurden.

 

Fluggastrechte auch bei Flügen nach Australien

Da die Reise in London, Frankfurt, München oder Düsseldorf startet und sich der Startflughafen somit in der Europäischen Union befindet, unterliegen alle genannten Zubringerflüge der EU-Fluggastrechteverordnung. Sobald die Verspätung am Endziel mehr als drei Stunden betragen würde, hätten die Passagiere Anspruch auf Entschädigung.

Greift die EU-Verordnung nicht, weil die Flüge beispielsweise separat gebucht wurden, stehen die Chancen auf eine Entschädigung bei Flügen außerhalb Europas leider nicht besonders gut. Dennoch lohnt es sich bei der Fluggesellschaft nachzufragen.

Einige Fluggesellschaften haben individuelle Bestimmungen, die Ausgleichszahlungen oder zumindest Preisnachlässe vorsehen. Im Zweifelsfall einen Reiserechtsexperten beauftragen, der die Ansprüche prüft und gegebenenfalls durchsetzt!

 

Codesharing-Flüge bereiten Schwierigkeiten

Problematisch kann das Durchsetzen von Ansprüchen gemäß EU-Fluggastrechteverordnung bei sogenannten Code-Sharing-Flügen. Codesharing wird unter Fluggesellschaften betrieben, um Flüge anbieten zu können, die sie selbst nicht durchführen. Hierfür schließen Airlines entsprechende Kooperationen.

So kann es vorkommen, dass ein Flug zwar bei Airline A gebucht wird, der Flug aber von Fluggesellschaft B durchgeführt wird. Ansprechpartner für geschädigte Passagiere, die eine Verspätung dulden mussten, ist die ausführende Fluggesellschaft.

Also nicht diejenige, die den Beförderungsvertrag geschlossen hat, sondern diejenige Airline, in dessen Flieger der Betroffene befördert wurde. Leider kommt es auch dahingehend immer wieder zu Ausreden und Verzögerungstaktiken seitens der Fluggesellschaften, um den Entschädigungszahlungen zu entgehen.

Flug nach Australien verspätet
[Foto: Qantas arbeitet zumeist im Codeshare mit Billigflieger Jetstar]

 

Das richtige Vorgehen am Flughafen

Zunächst ist eines elementar: Ruhe bewahren. In Panik zu geraten, hilft leider nicht. Stattdessen sollten Fluggäste sich unmittelbar nach dem Verpassen des Anschlussflugs zum Service-Point der zuständigen Airline begeben.

Diese muss eine schriftliche Bestätigung der Verspätung aushändigen. Auch der Grund der Verzögerung muss im Schriftstück enthalten sein. Fotos von der Situation am Flughafen, beispielsweise von der Anzeigetafel sowie der Austausch mit anderen Geschädigten, um sich später auf Zeugen berufen zu können, sind hilfreich, um die Ansprüche später erfolgreich geltend zu machen.

 

Forderung schriftlich einreichen

Geschädigte haben drei Jahre Zeit, ihren Anspruch auf Entschädigungszahlung schriftlich zu fordern. Jeder Fluggast muss dem zuständigen Luftfahrtunternehmen ein Schreiben senden und darin Bezug auf die Verspätung sowie die EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 nehmen. Auch folgende Punkte dürfen nicht fehlen:

  • Name
  • Adresse
  • Datum
  • Flugdatum
  • geplante Abflug- und Landezeiten
  • Höhe der Entschädigung
  • Unterschrift

Am Ende des Dokuments ist die Fluggesellschaft zur Rückmeldung innerhalb von 14 Tagen aufzufordern. Das Versenden als Einschreiben Rückschein erhöht den Druck. Beizulegen sind dem Forderungsschreiben Kopien der schriftlichen Bestätigung der Verspätung sowie der Tickets.

 

Versorgungsleistungen verlangen

Am Flughafen sollten sich Passagiere außerdem ihren Anspruch auf Versorgungsleistungen sichern. Bei Langstreckenflügen haben sie bei Wartezeiten ab vier Stunden das Recht auf kostenlose Getränke, Mahlzeiten und zwei Telefonanrufe, E-Mails oder Fax.

Flug nach Australien verspätet

[Foto: Bei überlangen Wartezeiten besteht Anrecht auf Verpflegung]


 

Sollte sich der Ersatzflug auf den nächsten Tag verschieben, muss die Fluggesellschaft gemäß EU-Verordnung die Übernachtungskosten tragen sowie die Transportkosten vom Flughafen zum Hotel und zurück.

Weitere Informationen erhalten Betroffene beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA), die nationale Durchsetzungs- und Beschwerdestelle für die Verordnung (EG) Nr. 261/2004. Auf der Internetpräsenz informiert das LBA über die Schlichtung im Luftverkehr.

Weitere Tipps für die Reisevorbereitung nach Austalien finden Sie auf dieser Seite…

 

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