Work & Holiday in Australien – wie viel verdient man wirklich?

Mit dem Rucksack unterwegs in Australien
Mit dem Rucksack unterwegs in Australien

Eine Studie zweier australischer Universitäten
liefert schockierende Ergebnisse zu Löhnen und Gehältern bei Work & Travel.

Über 321.000
Reisende kommen jedes Jahr aus Deutschland und anderen Ländern (bald
auch aus Österreich) mit dem Working Holiday Visum nach Australien,
um sich ein Jahr Urlaub in Australien mit Jobs in der Landwirtschaft
oder in der Tourismusindustrie selbst zu finanzieren.

Auch eingeschriebene
Studenten dürfen neben dem Studium einige Stunden die Woche
arbeiten, um sich etwas hinzu zu verdienen.

So viel sollte man verdienen in Australien

Die Australische
Regierung legt jedes Jahr fest, wie viel Arbeitnehmer minimal
verdienen sollten:

Der staatliche
Minimum-Verdienst
für “Casual Workers”, also
Arbeitnehmer ohne festen Zeitvertrag und ohne Anspruch auf Urlaubs-
und Krankentage, liegt zurzeit (Nov. 2017) bei 22,81 Dollar.

Die Löhne sollten
im Normalfall regelmäßig auf ein australisches Bankkonto eingezahlt
werden. Als Mitarbeiter sollte man Lohnabrechnungen (Payslips)
bekommen, die Zahlungen des Arbeitgebers für Steuern und
Altersvorsorge (Superannuation) aufführen.

So sieht die Australische Wirklichkeit aus

Viele Austausch-Studenten und Work &
Travel Reisende haben die Erfahrung gemacht, dass die tatsächlichen
Löhne oft niedriger sind als das staatliche Minimum.

Die Studie “Wage
Theft in Australia” – also Lohndiebstahl in Australien – wurde
von Laurie Berg von der UTS Sydney und von Bassina Farbenblum von der
UNSW Sydney als Internet-Studie durchgeführt.

4322 Menschen aus 107 Ländern nahmen anonym daran teil. 2392
davon waren internationale Studenten, 1440 waren Work & Travel Reisende, der Rest
temporäre Arbeitnehmer auf verschiedenen Visa-Typen.

Die Teilnehmer wurden nach den schlecht-bezahltesten Jobs gefragt,
die sie in Australien hatten.

12 bis 15 Dollar Stundenlohn der Normalfall?

Das Ergebnis der Studie war erschreckend: Jeder dritte Befragte erklärte, dass er/sie $12 oder weniger die Stunde
verdient hätten. Fast jeder zweite berichtete, $ 15 oder weniger
im schlechtesten Job verdient zu haben.

Dabei lag es wohl nicht daran, dass die Befragten nicht wussten,
wie viel man verdienen sollte.

“Wir fanden heraus,
dass die überwältigende Mehrheit der internationalen Studenten und
Rucksacktouristen sich bewusst ist, dass sie unterbezahlt sind. Sie
glauben jedoch, dass nur wenige Menschen mit ihrem Visum den
gesetzlichen Mindestlohn erwarten,” sagt Bassina Farbenblum
von der UNSW Sydney.

Unterbezahlung in Landwirtschaft und Restaurants

Die Unterbezahlung der internationalen Studenten und Work & Travel Reisenden war nicht auf bestimmte
Nationen beschränkt, und auch nicht nur auf die Landwirtschaft:

“Ein Fünftel jeder Nationalität erhielt um die Hälfte des
gesetzlichen Mindestlohns”, sagt Laurie Berg von der UTS Sydney.
Umgerechnet sind das um die $ 12 die Stunde.

“Für
fast 40% der Studenten und Rucksacktouristen war der am schlechtesten
bezahlte Job in einem Café oder Restaurant,” fügt Berg hinzu.

Reisepass abgenommen für einen Job

Einige Working Holiday Reisende / Studenten mussten noch
einiges mehr erdulden: 91 Reisende erklärten, der Arbeitgeber habe
ihnen den Reisepass abgenommen.

173 Befragte mussten eine “Anzahlung” von bis zu 1000 Dolle
bezahlen, um überhaupt einen Job zu bekommen, und 122 Reisende
mussten einen Teil des Gehalts in bar an den Arbeitgeber
zurückbezahlen.

Löhne schwarz in bar bezahlt

44 Prozent aller Befragten der Studie berichteten, dass sie in bar
bezahlt wurden. Noch höher sind die Zahlen in der Gastronomie
(Bedienungs- und Küchenpersonal): hier wurden offenbar 66 Prozent
aller Befragten in bar bezahlt.

Jeder zweite hat nie oder nur selten eine Gehaltsabrechnung
erhalten, wird also auch später bei der Steuererklärung keine
Erstattung bekommen.

Gefährliches Leben als illegaler Beschäftigter

Wer offiziell als Angestellter angemeldet ist, bekommt nicht nur
eine regelmäßige Gehaltsabrechnung, sondern ist auch von der
“Workers Compensation” Versicherung abgedeckt, die bei
Arbeitsunfällen eintritt. Illegale sind also bei Arbeitsunfällen
nicht versichert.

Kann man auch gut verdienen in Australien?

Die Studie hat natürlich nicht danach gefragt, was das
Maximalgehalt der Befragten in Australien war. Sie hat auch nicht
danach gefragt, ob der eine oder andere vielleicht weniger verdient
hat, weil er kostenlos Unterkunft und Verpflegung bekommen hat.

Wie viel kann man allerdings in einem guten Job verdienen? Gibt es
auch Erfolgsgeschichten? Das wurde leider nicht gefragt.

Wie viel Zugeständnisse sind annehmbar?

Die ernüchternden Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Work
& Travel Reisende bzw. Austausch-Studenten damit rechnen sollten,
unangenehme Erfahrungen bei der Arbeitssuche in Australien zu machen.

Wenn man nur die Auswahl hat, für ein paar Dollar die Stunde zu
arbeiten, oder alternativ gar nichts zu verdienen, ist das für viele sicher eine schwierige
Entscheidung.

Insgesamt kann man allen Reisenden nur raten,
keinesfalls den Reisepass herauszugeben, und in so einem Falle besser
einen anderen Job zu suchen.

 

Quellen:

Der
Link, der zur Studie
aufrief:
http://newsroom.uts.edu.au/news/2016/10/survey-expose-exploitation-temporary-workers

Das Ergebnis der Studie:
http://www.law.unsw.edu.au/news/2017/11/backpackers-international-students-suffer-widespread-wage-theft-report-finds

Hinweis: Der Aufruf für die
Studie wurde über Social Media verbreitet. Die Studie schließt also
wahrscheinlich keine Menschen ein, die typischerweise nicht auf
Facebook & Co. unterwegs sind.


(Artikel ID 5721)

 

 

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